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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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einen Hanfe» von 150 unserer tüchtigsten Leute bestegten, ohne daß 
diesen die Größe ihres Muths, noch ihre Ueberlegenheit an Ersah« 
ruiig und Klugheit, mir welchen sie so lange und so rühmlich die 
streitbarsten Völker des Orients für Gott und den König bekämpft 
hatten, zu Starten kommen konnte. Ein kleines Ende Weges in 
dem losen Sande und die Glut der Sonne war Schuld, daß diese 
bewährten Streiter, von hölzernen Stäben und Steinen, geworfen 
aus de» Händen nicht eines Riesenvolks, nein, der elendesten, thie 
risch dummen Neger, ihren Tod finden mußten. 
Da Mello, nachdeni er die Verwundeten auf die Schiffe ge 
bracht und die Wilden sich »ach ihre» Wohnungen zurückgezogen hat 
ten, ging wieder ans Land, um die Todten zu»begrabe». Den Leich 
nam des VicekönigS fand man entblößt von allen seinen Kleidern 
und verstümmelt da liegen. Der Anblick einer so verehrten und er 
lauchte» Person, in so befamniernswürdigem Zustande, bewegte die 
Anwesenden auf das innigste, und alle wünschten, lieber mit ihm ge 
storben zu sein, als dieses gräßliche Schauspiel erlebt zu haben. Nach 
dem man ibm und den übrigen Todten die letzte Ehre erwiesen, 
kehrte da Mello mit den Seinen auf die Schiffe zurück, lichtete 
noch selbigen Tages die Anker, und brachte die unglückliche Botschaft, 
die das ganze Königreich in Trauer versetzte, nach Portugal. 
Im Jahre 1512 besuchte Christoph da Brito, als er, um Wasser 
einzunehmen, in der Tafelbay landete, die Grabhügel der Gebliebenen, 
und ließ auf jedem derselben, statt des Grabmahls, einen Haufen Steine 
errichten, in dessen Mitte ein hölzernes Kreuz gesetzt wurde. 
Es muß bei d,.,rm oder einem ander» gleichzeitigen Besuch gewesen 
sein, daß die Portugiesen zur Rache an den Hottentotte» die schreckliche 
Grausamkeit verübten, von welcher spätere Schriftsteller erzählen. Sie 
sollen nämlich diesen Wilden eine metallene Kanone verhandelt haben, die 
mit Kartätschen geladen war und abgefeuert wurde, als sich eben eine 
große Anzahl derselben atz. einen, lange» Strick davor gespannt hatte, 
um sie fortzuziehen. 
Irgend etwas Wahres scheint dieser Nachricht zum Grunde zu lie 
gen, wiewohl sie keineSwegeö durchaus bestätigt ist: denn von dieser Zeit 
an verlieren die Portugiesische» Geschichtsschreiber die Südspitze Afrikas 
ganz aus denAügen, und vergebens durchsucht man die ehrwürdigen Fo 
lianten, ohne eine einzige Bemerkung über die weiteren Begebenheiten an 
dieser Küste zu finden. Vielleicht mögen die heftigen Meeresströme, 
welche an der Südafrikanischen Küste besonders Gefahr bringend sind, 
die Portugiesischen Schiffe veranlaßt haben, dieselbe zu meide», und sich 
andere Erfrischungsplätze zu suchen. Erst gegen Ende des 16. Jahr 
hunderts findet man in den Berichten englischer und holländischer See 
fahrer des Vorgebirges der gute»Hoffnung wieder erwähnt; aber nicht 
füglich können ihre Erfahrungen noch eigentlich zur Geschichte der Ent 
deckung de« südlichen Afrikas gerechnet werden. Heinrich Lichtenstei». 
Gedruckt bei I. G. Brüschcke, Breite Straße No. 9.
        
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