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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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mußten. Beständig blieben die Wilden mit ihrer Heerde dem gv 
drängten Haufen der Fliehende» zur Seite, und ließen nicht ab, 
ihnen mit Lanzen- und Steinwürfen hart zuznsetzen. Ohne weite 
ren Widerstand zu leisten, setzten diese ihren beschwerlichen Weg 
fort; die scl>wec Verwundeten, die in dem lockern Sande nicht fort 
kommen konnten, gingen in das Wasser, um fester» Bode» unter 
den Füße» zu habe», und färbten das Meer mit dem Blut, das 
von ihnen herabfloß. Die weniger Ermatteten flohen voraus, nur 
auf die eigene Rettung bedacht, und bald war der ganze Zug ge 
trennt, und der Bicekönig nur von wenige» Treuen umgebe». Die 
Neger aber, um sie zur Gegenwehr zu reizen, traten nahe herzu, 
neckten die Portugiesen und schnitten ihnen Gesichter. Diesen Hohn 
konnte einer der Hauptleut« nicht länger ertragen; er fuhr aus ez- 
»en der Uebermüthigen los, und durchbohrte ihn mit der Pieke, 
fiel aber auch selbst, im nämlichen Augenblicke von vielen Steine» 
und Wurfspießen getroffen, todt zu Boden. Neun Hauptleute wa 
ren schon vor ihm gefallen. Da begannen die Portugiesen gar 
kleinmüthig zu werden, und Jeder sah seinen Tod unabwendbar 
vor Augen. Almeyda selbst war schon von viele» Lanzen unb Stein- 
würfen getroffen, und vor Ermattung.kaum noch im Stande sich 
aufrecht zu erhalte», da sprach er zu seinem Freunde und Unter- 
befehlshaber da Mello: Versprich mir, die Fahne des Königs un 
sers Herrn nicht zu verlassen und sie zu retten, da ich selbst mein 
Leben und meine Sünden hier endige nach Gottes Willen. Nach 
diesen Worten schleppte er sich »och von da Mello und andern un 
terstützt, eine Strecke fort, und beinahe hatten sie nun den Waffer- 
platz erreicht, als ein Wurfspieß, aus dem Haufe» der Wilden ge 
worfen, ihm den Hals von einer Seite zur andern durchbohrte. 
Er machte noch eine Bewegung mit der Hand, als wollte er die 
Lanze herausziehen, in dem Augenblicke aber verließen ihn seine 
Kräfte, er hob beide Hände »och einmal betend zum Himmel, und 
fiel todt zur Erde. Als dieß ein schwer Verwundeter, der hinter 
her geführt ward, erfuhr, rief er aus: „Das wolle Gott nicht, daß 
ich das Leben bewahre, und den Sohn und den Feldherrn zurück 
lasse, um das Vaterland wieder zu erblicken." Mit diesen Worten 
ließ er sich aus den stützenden Armen seiner Knechte auf den Strand 
sinken; die Wilden aber verjagten seine Leute, und zerschmetterten 
ihm, wie den übrigen Verwundeten, mit große» Felsenstücken den 
Kopf, und plünderten den Leichnam. Was sich nun noch retten 
konnte, eilte dem nahen Wasserplatz zu, und stürzte sich vor den 
nachdringenden Verfolgern in die See, um die Böte zu. erreichen, 
die wegen des seichten Strandes etwas weit von dem Ufer lagen. 
Nicht einmal die Fahne hatte gerettet werden können, Sie fiel 
de» Wilden nebst den Leiche» von 65 tapfern Krieger», unter welchen 
sich außer dem Vicekönig noch eilf Hauptleute befände», in die Hände. 
Das aber ist das bejammernswürdigste, daß kaum 160 dieser 
elenden, Wilden, der einfältigsten und rohesten dieser ganzen Küste,
        
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