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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Anfangs wenig Widerstand. Die Bewohner entflohen, die Portu 
giesen trieben das Vieh davon, und krochen in die niedrigen, von 
Binse» geflochtenen Hutten, um die Kinder herauszuholen und mit 
zunehmen. Diese wurden, da man nun zurückkehrte, fortgeschleppt, 
und das genieine SchiffSvolk trieb die erbeuteten Ochsen vor sich 
her. So war man schon ein gutes Stück Weges von dem Dorfe 
entfernt, als nia» an den Ort kai», wohin die Neger bei dem er 
sten Schrecken geflüchtet waren. Als sie aber ihre Kinder in den 
Handen der Portugiese» sahe», stürzten sie, etwa 80 an der Zahl, 
wüthend auf sie lor, als hakten sie sich dem Tode geweihet, um 
ihre Söhne zu retten. Lourenzo da Brito aber, als er die Heftig 
keit ihres Angriffs merkec und die Ursache davon erfuhr, rief den 
Leuten, die die Kinder führten, hastig zu: „Laß die Junge» loS, 
denn eS sind keine Stiere sondern Löwen, die sie zurückfordern." 
Obgleich nun die Unsrigen die Kinder entließen, und einige 
Armseligkeiten, die sie von dem Dorfe mitgenommen hatten, von 
sich warfen, so waren die Neger doch schon z» wüthend geworden, 
und drangen mit blindem Ungestün, mitten zwischen das Seevolk, 
indem sie dabei sich besonders bemühten, ihr Rindvieh wieder an 
sich zu locken. Dieses schien auch zu solcher Art vo» Gefechten so 
gut abgerichtet, daß eS den Wilden auf bloßes Zurufen und Hissen 
folgte, wie sie es haben wollten, so daß sie sich bald mitten zwi 
schen ihrer Heerde, wie von einer Schutzwehr umgeben, befanden. 
Von dort aus warfen sie nun mit einer solchen Gewalt ihre höl 
zernen Lanzen und Steine (deren jeder eine Menge in einem Sack 
bei sich trug) auf die Unsrigen, daß sogleich einige verwundet nie 
derfielen und vo» den Ochsen zertreten wurden. Da man aber 
keine DertheidigungSwaffen mitgenommen, sondern sich nur zum 
Angriff mit Pieke» und Schwertern gerüstet batte, so war cs bei 
dieser Art des Gefechtes nicht möglich, den Negern viel Schaden 
! »zufügen, wogegen diese zwischen ihrem Rindvieh heraus, fast mit 
edem Wurf einen Mann trafen. 
In beständigem Zurückziehen kamen nun die Portugiesen sehr 
erschöpft an den Ort, wo Almeyda de» Böten zu warten befohlen 
hatte. Unglücklicherweise aber war inzwischen die Flukh eingetreten, 
und die Brandung so stark, daß die Böte sich nicht dort halten 
konnten, und »ach dem Wasscrplay rudern mußten. E- blieb also 
nichts übrig, als daß man suchte längs dem Strande auch dabin 
zu gelangen. Hier war aber der Sand so tief, daß die ohnehin 
schon ermüdeten Seeleute kaum auS der Stelle kommen konnte», 
wogegen die Neger so leicht und behende daraus gingen, als wären 
sie Vögel gewesen oder vielmehr Henkersknechte des Teufels, der 
seine verderbliche Macht an dem edlen Geschlecht übte, das sich um 
den Vicekönig jetzt noch einmal sammelte, und sich vor ihm in 
Reihe» stellte. Aber auch dieser Versuch blieb vergeblich, indem 
immer mehrere der Portugiesen, von Lanzen getroffen und vor Er 
mattung niedersanken, und die andern ihr Heil in der Flucht suchen
        
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