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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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»er Rückkehr nach Europa mit einer ansehnlichen Flotte in der Bay 
von Saldanha (Tafclbay) ankomme», um Wasser einzunehmen, und 
wo möglich von den Wilde» einiges Schlachtvieh einzuhandeln. 
Damit sich seine Leute von den Beschwerden der langen See 
reise etwas erhole» möchten, gab er Erlaubniß, daß jedesmal, wenn 
Böte ans Land gingen, um Wasser zu holen, einige der übrigen 
Mannschaft sie begleiteten, um Tauschhandel mit den Negern zu 
treiben, welche sogleich an die Küste gekommen waren, sobald sie 
die Schiffe geankert gesehen hatten. Sie wurden auch bald mit 
den Unsrigen vertrant, und gaben ihnen Rindvieh im Tausch für 
Stückchen Eisen und Tücher, welche Waare» sie sehr liebten. Da 
bei aber bestahlen sie die Portugiesen mit offenbarer Frechheit, und 
als ein Diener des Vicckönigs sich deshalb rächen wollte, mißhan 
delten sie ihn gröblich. Als nun mehrere ähnliche Auftritte vorge 
fallen waren, bewogen einige Edelleute den Almcyda zu dem Ent 
schluß, nach dem Wohnort' der Wilden zu gehn und sie zu züchti 
gen. Er willigte aber in dies Begehren mehr, um sich den Edel 
leuten gefällig zu zeigen, als auS eigenem Unwillen gegen die Ne 
ger, zumal da andere Hauptlente sich bestimmt gegen diese Unter 
nehmung erklärte». 
Demohngeachtet ward sie frühmorgens am 1. März 1510 zur 
Ausführung gebracht. Da das Dorf der Wilden etwa» seitwärt- 
von den Schiffen war, so ließ Almeyda, um seinen Leuten die 
Hälfte des Weges zu Fuß zu ersparen, nicht nach dem Wasserplatz, 
sondern nach einer Gegend des Strandes rudern, von wo aus sie 
da« Dorf um so viel näher hakte». Seine Mannschaft bestand 
aber aus 150 seiner besten Leute, dem Kern der ganzen Flotte. 
Als er ans Land stieg, befahl er dem Obcrbootsmann seines Schif 
fes, mit den Böten da zu bleiben, und nicht von der Stelle zu 
geben. Es schien, als ob er ahne, wie nöthig er sie zu seinem 
Rückzüge haben würde, und die Besorgnisse, die er bei diesem Gang 
blicken ließ, deuteten auf seine letzte Stunde. Denn von dem Au 
genblick. wo er den Edelleuten in ihrein Begehren willfahrte, zeig 
ten alle seine Reden und Handlungen, daß er seinen Tod vor Au 
gen habe. So sprach er, als er voin Schiffe in das Boot stieg, 
von seinen sechzig Jahren, und gab zu erkennen, daß er den Weg 
mit Widerwillen antrete. Nachher als er ans Land stieg, bekam 
er etwas Sand in die Schuhe, und ließ sie sich von seinem Lcibknecht 
ausziehen, der sie darauf an einander schlug, um den Sand aus 
zuschütten. Es war aber damals in Portugal eine der übelsten 
Vorbedeutungen, wenn'man bei dem Anfang eines Unternehmens 
ein Paar Schuhe an einander schlagen hörte. „Würde wohl man» 
eher Andere," sagte Almeyda zu seinem Diener, „noch einen Schritt 
weiter gehen, wenn er dein Klappen mit den Schuhen gehört hätte? 
^ch glaube aber mehr an Gott als an Vorbedeutungen, und werde 
meinen Weg muthig verfolgen." 
Als nian nun zu den Hütten der Wilden kam, fand man
        
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