Path:

Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

87 
der Folge kam derselbe Herr in starker Begleitung an die Küste, um 
die Schiffe zu sehen. Ihre Bekleidung, die aus Thierfellen bestand, 
schien den Portugiese» ein Beweis, daß in diesem Lande ein kaltes 
Klima herrsche, und daß die Bewohner mit gcbildetcrn Völkern in 
Gemeinschaft stehe» mußten. Wegen des guten Verständnisses, in 
welchem die Unfrigen während ihres fünftägigen Aufenthalts mit 
diesen Wilden lebten, nannte Vasco da Gama diese Bay die 
FriedenS-Bay. 
Die Neger, die ste hier trafen, waren von großem, starken 
Körperbau und viel zahlreicher, als .die bisher gesehenen. Ihre 
Waffen waren Lanzen mit eisernen Spitzen; der Weiber waren un 
gleich mehr als der Männer, und unter scchSzig Personen waren 
nie weniger als vierzig Weiber. Sie hatten großen Ueberfluß an 
Salz, so daß die Portugiesen vermutheten, sie wüßten es aus dem 
Seewasser zu bereiten; indeß giebt es dort zu Lande auch große 
Salzseen. Sie trugen auch Messer von weißblankem Metall mit 
elfenbeinernen Scheiden. Die Häuser, in denen sie wohnten, waren 
von geflochtenem Stroh, und die Bevölkerung war an dem besuch 
ten Orte sehr groß. An europäischen Kleidungsstücken hatten sie 
großes Gefallen, und als ihr König ein, von den Portugiesen ge 
schenktes, scharlachrothcs WammS nebst ein Paar Strümpfen und 
einer Mütze von derselben Farbe angelegt hatte, klatschten seine 
Unterthanen vor Freude in die Hände. Bewirthet wurden di« 
Fremdlinge mit Hühnern (wahrscheinlich Perlhühnern) und Hirse. 
Ganz freiwillig halfen sie den Portugiesen ans einem etwas entle 
genen Orte des Flusses Wasser an die Schiffe bringen, und ver 
dienten auf solche Weise ihrem Lande den Namen Land des guten 
Volkes. 
Aus allen diesen Angaben erhellt, daß die Portugiesen hier es 
nicht mehr mit Hottentotten, sondern mit Kaffer» zu thun hatten, 
welche jene an körperlicher und geistiger Bildung übertrafen. 
Im März des JahreS 1500 segelte eine Flotte von 12 Schif 
fe» mit einer Mannschaft von 1500 Köpfen unter Cabrals Befehl 
aus dem Tajo ab, um die Entdeckung zu verfolgen, und Niederlas 
sungen in Indien zu errichten. Diese Flotte gelangte gegen das 
Ende des Mai in die Nähe des Cap, hier aber erlebte sie ein gro- 
ßes Unglück. Nachdem sich nämlich schon seit dem 12. Mai ein 
großer Comct in der Luft gezeigt hatte, der zum großen Schrecken 
der Seeleute acht Tage lang unbeweglich (?) an demselben Ortr 
stehn blieb, und mit seinem Schweife, Unglück bedeutend, nach dem 
Vorgebirge der guten Hoffnung hinwies, so erhob sich, als er vcr, 
schwand, das Meer in großen Wellen, wie wenn es von weit her 
aufgeregt heran steine. Und am 23. Mai zeigte sich im Norden 
eine ungeheure schwarze Wolkensäule, von der Art, die die Guinea- 
fahrer einen Vulkan nennen, (wahrscheinlich ist damit eine Winds 
braut gemeint). Damit legte sich plötzlich der Wind, es ward tod- 
tcnstille, als athme die schwarze Wolke jetzt ganz den Wind in sich
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.