Path:

Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

6 
Befehl Gottes, des wahre» und einigen. Wiewohl nun die übrigen 
Völker deS Alterthums ihren Götze» Thiere verbrannten und Früchte 
deS Feldes, so haben sie doch mit diesen Opfern selbst nicht Sünde 
gethan, sonderii viel« meinten cs gut damit, und es kann wohl 
Frömmigkeit heißen, wenn sie bei jedem Gewinn ihren Göttern zu 
erst davon einen Genuß bereiteten, und nichts anfingen, ohne den 
Lenkern ihrer Schicksale sich gefällig erwiesen zu haben in der Weise, 
wie sie es für gut hielten. 
Ein alter Gebrauch ist gewiß der der Opfer. Schon die ersten 
Söhne der ersten Menschen verbrannten, Abel ein Lamm, und 
Cain von den Früchten des Feldes, Gott zu Ehren. Und Gott 
ahe gnädig an Abel'S Opfer, Cains Opfer aber sahe er nicht gnä- 
oig an, so erzählt die Schrift in ihren ersten Capiteln. Was aber 
meinten denn die Menschen alle mit ihren Opfern? 
Denen unter Euch, geliebte Leser, die schon ein wenig Latein 
verstehen, kann ich's leicht deutlich machen. Das Wort Opfer 
kommt her von dem lateinischen Verbum obkerro, und das heißt 
darbringen. Also die Opfernden wollten ihrem Gott oder ihren 
Götzen etwas darbringen von dem Ihrigen. 
Seht, geliebten Kinder, cs ist eben Weihnachten gewesen: da 
haben die Eltern Euch viel geschenkt, und Ihr seid ihnen gewiß 
dankbar dafür im Herzen. Nun wissen wir beiderseits freilich wohl, 
daß der beste Dank gegen die Eltern und gegen Gott ein gehorsa 
mes Herz ist, das auch die Gaben der Wohlthäter so anwendet, 
wie sie eS wünschen. Aber Ihr werdet doch Eure» Pflegern gern 
auch auf andre Weise und unmittelbar mit der That Euren Dank 
bezeige» wollen. Manche von Euch haben gewiß den Ihrigen zum 
Christfeste kleine Gegengeschenke gemacht; von den Mädchen weiß 
ich's sicher: denn die lernen früh die beneidenswerthe Kunst, kleine 
Arbeiten mit ihren Hände» zu verfertigen, welche den Empfängern 
Freude machen. 
Aber was daran nun der bezahlbare Werth der Gabe war, 
daS habt Ihr doch nicht von Eurem Eigenen. Oder wenn Ihr 
auch das Geld aus Eurer kleinen Sparbüchse »ahmet, und kauftet 
etwas für die Eltern, so habe» die oder andre Verwandte Euch 
das zuvor geschenkt. Ihr könnet ja doch »och nichts verdienen. 
Seht, so stand der kindliche Mensch im Alterthum zu seinem 
Gott oder seinen Göttern, tzr giebt eine hübsche Geschichte von ei 
nem sechsjährigen Knaben, er hieß Natanakl, der hatte gekört, eS 
sei ihm alles, was er besäße, vom lieben Gott im Himmel gege 
ben worden; und alles, was er auch noch empfinge, käme von dort 
her. Da ging er auf seine» Hof und nahm eine» Groschen, und 
warf ihn nach dem Himmel; aber freilich das Geldstück fitt wieder 
herunter, und der Kleine kam weinend zu seinem Vater und klagte: 
er habe dem lieben Gott etwas schenke» wollen, der hätte es aber 
nicht angenommen.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.