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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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und trinken mußten, indessen da Gama selbst sich entfernte, um ihn 
von seiner Furcht sich erholen zu lassen. Diese Behandlungsart 
hatte den gewünschten Erfolg; die Knabe» nöthigte» ihn fleißig zum 
Essen, und als Vasco da Gama wieder hinzutrat, war er schon 
ganz zutraulich geworden, und deutete auf einige Berge, die etwa 
zwei Meilen entfernt sein mochten, und gab ferner noch durch Zei 
chen zu verstehen, daß an dem Fuße derselben der Wohnort seiner 
Landsleute befindlich sei. Da nun da Gama keinen bessern Abge 
sandten hinschicken konnte, um die Andern herbeizuholen, so befahl 
er, daß man ihn mit einigen Geschenken an Tandwaaren, Korallen 
schnüren und einer Mütze entließe. Durch Zeichen ward ihm be 
deutet, er möge gehen und mit seinen Gefährten wieder kommen, 
dann wolle man ihnen noch einmal so viel geben. DaS that er 
denn auf der Stelle und brachte noch spät desselben Tages zehn 
bis zwölf seiner Landsleute, die sich dasselbe ausbaten, was er be 
kommen hatte. Man gab es ihnen sogleich; wie viel man ihnen 
aber auch Proben von Gold, Silber und Specereien zeigen mochte, 
so würdigten sie die keiner Aufmerksamkeit, und zogen Glöckchen, 
Ringe und Kupferpfennige diesen Kostbarkeiten weit vor. Sie waren 
gelblich von Farbe, klein von Statur, häßlich von Gesicht, sehr 
dumm und übel gestaltet, und ihre Sprache glich einem Stammeln. 
Ihre Kleidung bestand in Thierfellen, und ihre Waffen waren vorn 
angebrannte Stäbe von wildem Olivenholz, oder statt des Eisens 
mit spitzen Thierhörnern versehen. Sie aßen Wurzeln, Kräuter, 
Seehunde und Wallfischfleisch, auch Secvögel und wilde Ziegen. 
Auch gab cs Hunde bei ihnen wie die in Portugal, die auch eben 
so bellten. 
Am andern Tage kamen mit ihnen schon mehr als vierzig, die 
sich so zutraulich zeigten, daß einer der Offiziere, Namens Fernain 
Veloso, Vasko da Gama um die Erlaubniß bat, sie nach ihrem 
Wohnort begleiten zu dürfen, um etwas mehr Kunde von dem 
Lande zu bekommen, als man von ihnen erfragen konnte; welches 
ihm auch dieser auf Fürbitte seines Bruders Paulo da Gama ge 
stattete. 
Indeß Valoso war ein feiger Mann, wagte sich nicht in das 
Dorf der Neger hinein, und wurde bei seiner eiligen Rückkehr »ach 
dem Schiff van einem wilden Haufen verfolgt, zwischen welchem 
und den Portugiesen sich ein so heftiges Gefecht entspann, daß 
Vasko da Gama mit einigen seiner Leute verwundet wurde. In 
dem sie sich nun aber tapfer wehrten, verscheuchten sie die Einge- 
bornen, und schüchterten sie so ein, daß keiner sich mehr blicken ließ. 
Am 17. November 1497 lichtete VaSco da Gama die Anker, 
und verließ die Bay St. Helena nach einem dreizehn tägigen Au 
fenthalte. Schon am 20. kam er an das große Vorgebirge der 
guten Hoffnung, und umsegelte es bei schönem Wetter unter dem 
festlichen Schall von Trompeten und Pauken. Alles Schiffsvolk 
war darüber hoch erfreut, denn sie hatten nach der damaligen Vor-
        
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