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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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an« Land ging, so erhielt der Fluß den Namen, den er noch heute 
trägt: Rio Jnfante. Hier kehrten sie um, weil da« Schiffsvolk 
aufs Neue seine Klage» erhob. Als sie wieder bei der Insel des 
heilige» Kreuzes anlangten, und noch einmal dort landeten, trennte 
sich Diaz von dem dort errichteten Maalzeiche» mit so viel Schmerz 
und Rührung, als ob er einen geliebte» Sohn verließe. Er erwog, 
mit wie viel Gefahr für seine Person und für all dieses Volk er 
von so fernem Baterlande um so geringen Erfolges willen hieher 
gekommen, indem Gott ihm nicht verstattet, den Hauptzweck seiner 
Sendung zu erreichen. 
Nachdem sie von dort wieder abgereiset und mehrere Tage ge. 
segelt waren, ward ihnen endlich der Anblick jenes große», merk 
würdigen, so viele Jahrhunderte lang »«entdeckt gebliebenen Vorge 
birges, das gleichsam nun erst anfing da zu sein. Denn nicht es 
selbst allein war entdeckt, sondern mit ihm öffnete sich de» Völkern 
eine andere, neue Welt von Ländern. Diaz und seine Gefährten 
nannten dieses Vorgebirge, wegen der vielen Gefahren und Müh 
seligkeiten, die sie bei deffe» Umsegelung zu überstehen gehabt hat 
ten, das stürmische: Cabo tormenloso. Als sie aber nach Portugal 
zurückkämen, gab ihm der König Dom Joam, das heißt Johann, 
einen andern und glänzender» Namen, und nannte eS Cap der gu 
ten Hoffnung, weil es die endliche Entdeckung des so ersehnten und 
so lange gesuchten Indiens hoffen lasse. Dieser Name, wie ihn 
der König erfunden, und so glorreich wie einer, dessen sich Spanien 
rühmt, wird fortdauern zum Ruhme dessen, der diese Entdek- 
kung veranstaltet, so lange man wird denken können. Ich habe in 
meiner Geographie dieses Vorgebirge beschrieben und abgebildet 
als einen sehr wohlgelegenen Ort, von welchem man billig viel hof 
fen darf. So sagt der Portugiesische Geschichtsschreiber Johann 
BarroS, aus dem diese Stelle entlehnt ist. 
Nachdem Diaz Alles angemerkt hatte, was für die Schiffahrt 
von Wichtigkeit war, ließ er ei» Maalzeiche» am Lande errichten, 
indessen der heftige Sturm ihm nicht verstattete, sich langer hier 
aufzuhalten oder vor Anker zu gehn. Vielmehr setzte er seinen Lauf 
längs der Küste fort, um das zurückgelassene Proviantschiff wieder 
aufzusuchen. Als sie bei selbigem anlangten, waren es grade neun 
Monate, seit sie cS verließen, und von den neun Menschen, welche 
sie darauf zurückgelassen hatten, waren nur »och drei am Leben» 
Einen von diesen, den SchiffSschreibcr, Namen« Fcrnam Colayo» 
der von Krankheit noch sehr hinfällig war, erschütterte die Freude 
über den Anblick seiner Gefährten so sehr, daß er auf der Stelle 
starb.^ Die Ursache aber ihres großen Verlustes an Todten war, 
daß sie de» Negern an der Küste zu viel getraut und Gemeinschaft 
mit ihnen gepflogen hatten; da war Streit beim Tauschhandel ent 
standen, und die Neger hatte» sie ermordet. Diaz ließ die Lebens 
mittel, die er im Schiffe vorfand, herausnehmen und es verbrennen,
        
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