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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Gelehrte, dessen Name über diesem Aufsätze steht, schon den Kin 
dern hiemit die wahre Geschichte dieser wichtigen Begebenheit mit 
zutheilen wünscht. Es stnd aber seine Nachrichten gezogen aus Por 
tugiesischen Schriften, deren Verfasser der Zeit und dem Orte, von 
wo die Reisen und Unternehmungen ausgingen, so nahe lebten, 
daß sie Wahres mittheile» konnten. — Das Vorgebirge der gu 
ten Hoffnung ist von Portugiesen entdeckt worden, deren Könige 
im 15ten Jahrhundert große Summen und die außerordentlichsten 
Mittel aufwandten, um einen Seeweg nach Ostindien zu entdecke», 
jenem Lande, von wo damals wie heute die köstlichen Waaren ka 
men, die unsere Kaufleute reich und unser Leben genußvoll machen. 
Gegen Ende des August 1486 segelten zwei bewaffnete Schiffe 
und eines mit Lebensmitteln, vom König Johann II. ausgerüstet, 
»ach der Westküste von Afrika ab, die damals schon bis unterhalb 
des Flusses Zaire oder Congo, etwa bis zum Isiten Grad südlicher 
Breite, bekannt war. Den Oberbefehl führte Bartholomäus Diaz, 
der berühmte Entdecker jenes südlichsten Vorgebirges von Afrika. 
Er segelte südlich immer an der Küste entlang, und richtete an ein 
zelnen Punkten derselben Maalzeichen auf, um die Orte als solche 
zu bezeichnen, welche dem Könige von Portugal ihre Entdeckung 
verdankten, und ihm unterworfen wären. Man benannte die Bu 
sen, Vorgebirge und Landgegcnden entweder nach dem Tage, an 
welchem man bei ihnen anlangte, oder nach merkwürdigen Begeben 
heiten. So wurde das heutige Cap Voltas unter 28 Grad südli 
cher Breite, deshalb so genannt, weil Diaz dort so häufige Wen 
dungen des Schifft machen mußte. Er hielt sich dort nämlich fünf 
Tage auf. gegen einen Wind, der ihm nicht verstattete, seinen 
Lauf längs der Küste fortzusetzen. 
Jetzt verließ Diaz die Küste, wandte sich in südwestlichem Lauf 
nach dem hohen Meer, und lief dreizehn Tage bei demselben Winde 
vor den Untersegeln deS großen Mastes. Da die Schiffe nur klein, 
und die Wellen ungleich ungestümer waren als an der Küste von 
Guinea, ja selbst wüthender als in der spanischen See zur Zeit des 
heftigsten Sturme-, so hielten sich Alle schon für verloren. AIS 
sich aber der Sturm legte, der diese Wuth des Meeres erregt hatte, 
wandten die Schiffer ihren Lauf, um in östlicher Richtung das 
Land wieder zu finden, in der Voraussetzung, die Küste laufe auch 
hier (zwischen dem 36sten und 40sten Grade S. B) von Norden 
nach Süden, wie sie sie bisher gefunden hatten. Nachdem sie in 
dessen mehrere Tage gesegelt waren, ohne auf die Küste zu stoßen, 
nahmen sie endlich ihre» Lauf nach Norden, und gelangten so an 
eine Bay, die sie wegen des vielen Rindviehes, welches sie von Hir 
te» getrieben am Lande erblickten, die Kuhhirten„Bay" nannten- 
Ehe sie noch mit diesen Menschen zu einer Unterredung kommen 
konnten, wendeten diese, erschreckt von einer solchen neuen Erschei 
nung, den Rücken, und flohen landeinwärts, so daß die Unsrigen 
von ihnen nichts mehr erfahren konnten, als was sie auS großer
        
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