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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Unter ihnen war Sesostris, ei» gewaltiger Erobrer, 1356 
Jahr vor Christi Geburt, der soll auf seinen Heereszügen zu Lande 
bis nach Europa gekommen sei» und weit nach Asien hinein, und 
die Länder sich unterworfen habe»; in Aegypten aber hat er bür 
gerliche Einrichtungen festgesetzt, die noch in den spätesten Zeiten 
galten, und große Bauwerke aufgeführt zum Gedächtniß seines Na 
mens; von ihnen soll in dem versprochenen Aufsäße bald die Rede 
sein. 
Nach diesem aber regierten andre Herrscher in Aegypten zu 
gleich mit königlicher und priesterlicher Gewalt, die drückten das 
Volk schwer, so daß auch zuweilen Empörungen entstanden, und 
mehrere Fürsten zugleich regierten. Und die Völker von Süden, 
die Aethiopier, brachen herein in da« Land und unterwarfen eö 
sich, bis sie es allein wieder verließen oder vertrieben wurden: daS 
Alles sind unklare Geschichten, in Dunkel und Sage gehüllt. Ich 
aber will Euch, geliebte Leser, eine Begebenheit als die erste erzäh 
len, die kürz vor der Zeit sich zutrug, wo die Aegypter mit Grie 
chen und andern Völkern des Alterthums Handel zu treibe» an 
finge» und andern Verkehr, und wo denn ihre Geschichte heller 
wird und gewijjer. 
Wie von zwölf Aegyptischen Königen PsammetichuS 
Alleinherrscher wurde. 
Nach einer Zeit großer Unordnungen und Empörungen in Ae 
gypten hatten zwölf Könige sich vereinigt, daS Land gemeinschaftlich 
zu regieren, jeder seinen Theil. ES war aber um das Jahr 656 
vor Christi Geburt. Sie hatten aber sich unter einander verschwä 
gert und einen Vertrag gemacht, daß keiner den andern in dem 
Seinigen beeinträchtigen sollte; sondern sie gedachten im Friede» ne 
ben einander zu regieren. Doch betrachteten sie jeder den andern 
mit Argwohn: denn sie hatten ein Orakel, daß derjenige unter ih 
nen, der bei einem geineinschaftlichen Opfer aus einer ehernen 
Schaale sprengen würde, danach die ander» beherrschen sollte. Nun 
waren sie einst zusammen in einem Tempel, den Hcrodot de» Tem 
pel des HephästoS nennt, das wäre nach der griechischen Götterfa 
bel Vulkan, der Gott der Schmiede und des unterirdische» Feuer-. 
Sie waren aber dort, um zu opfern, und der Priester hatte elfen 
unter ihnen goldene Schaale» gegeben, um damit zu sprenge», wie 
es Sitte war, de» zwölfte» aber, de» PsammetichuS, hatte er ver 
gessen. AlS nun an diesen die Reihe kam, das geweihte Wasser 
zu empfangen und zu sprenge», nahm er, weil er kein Gefäß hatte, 
ohne sich dabei etwas zu denken, feine» eherne» Helm ab, und 
ließ sich das Wasser da hineingießen, wie ein Knabe wohl aus sei 
nem Huthe trinkt. 
Da aber das die andern Könige sahen, erschraken sie, denn 
sie gedachten jenes Orakels, und vertrieben den PsammetichuS aus
        
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