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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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und gastfrei »>„d nichts desto weniger im Kriege tapfer." Und unser 
alte Herodot berichtet: „Unter allen Länder», die ich kenne, ist 
Babylonien bei weitem das beste, um Getraide hervorzubringen; 
de«» der Waizcn tragt hier zwcihundertfälri.qe Frucht, und wenn 
ein recht fruchtbares Jahr ist, dreihunbertfältige. Wie groß hier 
die Blätter und Früchte aller Pflanzen werden, mag ich nicht sagen, 
Veil ich wohl weiß, daß diejenigen, die nicht selbst nach Babylon 
kommen, das Gesagte nicht glauben würden." Wie Aegypten dem 
Nil, so verdankte Babylonien dem Euphrat seine Fruchtbarkeit- 
Sobald der Schnee aus den Armenischen Gebirgen schmolz (dort 
hat sowohl der Euphrat als der Tigris seine Quelle), ergoß der 
breite Strom seine Fluthe» über das Land. Damit aber kein 
Theil des Landes diese Wohltbat entbehrte, war ganz Babylonien 
von tausend Bewässerungskanälen durchschnitten. Einige derselben 
verbanden den Euphrat mit dem reißenden Tigris, der zwischen ha 
hen Ufern pfeilschnell dahinschoß (daher sein Name), und das über« 
flüssige Wasser aufnahm. An de» tiefsten Stellen des Landes war 
der Euphrat durst hohe gemauerte Dämme eingeengt; dagegen wur 
den die Krnäle der' höher liegenden Gegenden, sobald sie mit Was 
ser angefüllt waren, durch Schleusen gesperrt. Ja Herodot erzählt 
von großen Maschinen, durch die das Wasser aus den Kanälen 
herausgepumpt wurde, um die Aecker zu befruchten. Auch vier wa 
ren, wie in Aegypten, große Seen zur Ansammlung des Wasser« 
ausgegrabcn. 
Dieses herrliche Land war von den ältesten Zeiten an der Sam 
melplatz der wandernden Völker. Kaum war ein kriegerssstier Stamm 
aus den Gebirgen hervorgebrochen und hatte sich hier niedergelassen, 
so folgte auch schon ein zweiter und dritter. So werdet Ihr, meine 
jungen Leser erst von den Assyrern, dann von den Chaldäern, 
den Persern und anderen Völkern höre», die als Nomade» in 
das Land eingezogen, die Bewohner sich unterwarfen, und in kur 
zer Zeit die Sitte und Lebensart derselben annahmen. Kein Wun 
der, daß bei diese» stets wiederholten Einwanderungen die Städte 
des Landes zu einer ungeheuren Größe anwuchsen. 
Außer Babylon am Euphrat lag dort noch Ninive am Tigris. 
Zweitausend Jahre vor Christi Geburt, als die Assyrer in 
Babylonien herrschten, baute die Königin Scmiramis die unge 
heuren Mauer» von Babyton. Diese Mauern hatten eine Höhe 
von 200 Fuß, und waren so breit, daß drei vierspännige Wagen 
neben einander darauf fahren konnten. Die ganze Stadt bildete 
ein regelmäßiges Viereck; an jeder Seite waren 25 eherne Thore, 
neben jedem Thore zwei bohe Thürme. Der Umfang der Stadt 
war so groß, daß man drei Tage brauchte, um dieselbe zu umgehen. 
Auch aii den Ufern des Euphrat, der mitte» durch Babylon floß, 
waren Hobe Mauern errichtet, damit die Stadt auch von dieser 
S^eite geschützt wäre. Eine Brücke mit steinernen Pfeilern und sonst 
von Cedcrnholz verband die beiden Stadtthrile. Am wunderbarsten
        
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