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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Alle diese Klaffen von Leuten haben wir auch, aber sie wirken 
und leben fröhlich unter einander, und wem eS Gott beschieden hat, 
der kann von der untersten zu der höchsten hinaufsteigen. So, wie 
gesagt, war ei nicht bei den Aegypter»; sondern die verschiedenen 
Stände blieben ganz gesondert von einander: das ist der Unterschied. 
Doch genug, denke ich, vom Aegyptischen Lande und Volke 
und seine» Werken im Allgemeinen. 
Apries u»d Amasis. 
Der dritte König in Aegypten nach PsammrtichuS war Apries. 
Er war ein glücklicher Mann bis wenige Jahre vor seinem Tode: 
da führte er Krieg gegen die Stadt Cyrene im Westen seines Lan 
des und verlor. 
Aber sein Kriegsvolk meinte, er habe sie absichtlich zu ihrem 
Verderbe» in Feindes Land geführt, und sielen von ihm ab und 
machten einen Aufruhr. Apries nun sandte seine» Feldherrn und 
Freund Amasis zu ihnen, sie wieder zu beruhigen; als der aber zu 
dem Heere kam und vor ihnen sprach, sich des königlichen Auftra 
ges zu entledigen: da setzte ihm der Acgvptcr einer, der hinter ihm 
stand, eine Krone auf und rief, er solle ihr König sein, und die 
Andern stimmten ein, und Amasis ließ sich das Wohlgefallen. 
Darauf führte er das KriegSheer gegen Aegypten und seinen 
eignen König. Der nun schickte einen andern vornehmen Mann 
aus, er sollte ihm den Amasis fangen, aber dieser verhöhnte den 
Boten und ließ ihn unverrichteter Sache abziehen. Als Apries je 
nen also zurückkehren sah vergaß er der Weisheit und ließ ihm Nase 
und Ohren abschneiden, so zornig war er. Aber die Aegypter, die 
dem Könige noch angehangen hatten, wurde» dadurch sehr erbittert 
und verließen ihn auch, und wollte er nun noch seiner Haut sich 
wehren, so mußte er sich allein auf seine fremden Söldner ver- 
lasse». 
Daß that er, und es kam zur Schlacht zwischen den Aegyp- 
tern und ihrem Könige mit seinen Söldnern bei der Stadt Momem- 
phis. Des Apries Leute thaten ihre Schuldigkeit tapfer genug, 
aber da sic der Zahl nach bei weitem geringer waren als ihre Geg 
ner, so wurden sie geschlagen, und der König, der zuvor meinte, 
ein Gott selber könne ihm sein Reich nicht nehme», ward gefangen 
und ge» SaiS geführt, in das Haus, das zuvor sein eigen gewe- 
sen, nun aber des AmasiS KönigSburg wurde. 
Anfangs ward er hier gut gehalten, am Ende aber, als die 
Aegypter murrten und meinten, eS wäre nicht recht gethan, daß 
Amasis seinen und ihren ärgsten Feind noch ernähre, da lieferte ec 
den König seinem erbitterten Volke auS, und sie erwürgten ihn 
und begruben ihn dann in seiner Väter Gruft. 
So wurde Amasis König, der cs auf dem Throne hielt, wie 
er sonst gewohnt war. Nämlich des Morgens bis zur Zeit, wo der
        
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