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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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müssen, auf daß wir klug werden? Oder — wie das neue Testa 
ment die Leichtsinnigen reden läßt: Lasset uns essen und trinken, 
denn morqen sind wir todt! 
Ihr "Knaben, wenn Ihr heranwachset, werdet Ihr vielleicht 
einmal mit den Studenten auf lateinisch singen: 
Esset und trinket ihr fröhlichen Brüder! 
Wenig Jahrzehnde», so trinkt ihr nicht mehr. 
In mancher heitern Gesellschaft habe ich mitangestimmt: 
Freut euch dcS Lebens, weil noch das Lämpchen glüht; 
Pflücket die Rose, eh' sie verblüht. 
Ich meine, alle diese Worte haben eine doppelte Auslegung, 
und freilich können uns die Aegypter allein die rechte nicht lehren. 
A- M-erget. 
Die Unbeständigkeit des äußern Glücks. 
(Fortsetzung.) 
Daneben begannen Ludwig und Felix ihre ernsteren Studien 
bei dem Herrn Abbe, einem würdigen Geistlichen, der die gründ 
lichsten Kenntnisse mit angenehmen Sitten und dem edelsten Cbarak- 
ter vereinte. Auch Herr" von D- gab ihnen in de» lebenden Spra 
chen, in allerlei körperlichen Uebungen und in der Botanik förmli 
chen Unterricht. Aurore theilte diesen, so weit cs für sie passend 
war, und widmete ihre übrige Zeit weiblichen Beschäftigungen, zu 
denen eine arme, aber liebenswürdige Wittwe im nahen Dorfe die 
beste Anweisung gab. 
Den ansprechendsten Unterricht indeß und den erfolgreichsten 
obendrein, erhielten unsre Kleinen insgesammt durch den beständigen 
Verkehr mit gelehrte» und ausgezeichnetsten Menschen aller Stände, 
von denen sich fast immer einige in Charenton aufhielten. Anzie 
hende Schilderungen selbst erlebter Reiseabenteuer, bcmerkenswerthe 
Züge aus Welt und Leben, Hindeutungen auf die verschiedensten 
Fächer der Wissenschaft, belebten und würzten die heiter» Mahlzei 
ten und Feierstunden, und gaben ihnen eine Vielseitigkeit, welche 
auch dem erlesensten Verein von Menschen einer bestimmten Klasse 
immer mangeln muß. 
Auf diese Art hatten unsre Waisen alles mögliche Heil wieder 
gefunden, auch Vater George fühlte sich neu belebt. Nicht mehr 
trieb es ihn rastlos von einer Reise zur andern; er hatte den sichern 
Haltpunkt im Leben gewonnen, die Sorge für seine Pflegekinder 
füllte die Lücke aus, welche er sonst trotz seiner Thätigkeit und 
Menschenliebe oft genug schmerzlich empfunden hatte. 
Jene Einfachheit in der Lebensweise des Onkels war das Ein 
zige, worein sich die Kinder, zumal nach dem prunkvollen Zwischen, 
alt in Pari«, nicht sogleich zu finden vermochten. Sie begriffen 
nicht, weßhalb er, ein reicher, vornebmer Man», wie ei» gewöhnli 
cher Tagelöhner arbeitete und oft im Schweiße seines Angesichts
        
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