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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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bas Land fruchtbar; aber in diesem mußte doch eine Kraft sein, 
welche die Einwirkung jener aufnahm, und nun die Leben erhaltende 
Frucht hervorbrachte. Diese Naturkraft der Erde, wodurch die 
Baume und Gräser hervorkommen, wodurch das Land im Frühling 
sich grün und bunt schmücket und später Früchte erzeugt, diese 
Kraft oder die mütterliche Erde, die Natur selber wurde gedacht 
als eine Göttin Isis. Sie war auch die Göttin des Mondes, denn 
dieser empfängt sein Licht von der Sonne. 
Merke: alle übrigen Sprache» sagen: der Sonne (sol, le 
soleil) und die Mond (luns, la lune) wir aber umgekehrt; darum 
wundrc Dich nicht, in den Göttergeschichten vom Sonnengotte und 
der Mondgöttin zu hören. 
Die Isis wird abgebildet als eine kolossale Frauengestalt mit 
vielen Brüsten, ja auch nur als ein Gefäß wie ein Krug, der aber 
auch viele Brüste hat. Das soll nun eben die ernährende Kraft 
der Natur andeuten, denn wir nennen doch auch die Erde unser 
aller Mutter, und aus der Mutterbrust saugt das Kind die sü 
ßeste Nahrung, und unser Dichter sagt: 
Freude trinken alle Wesen 
an den Brüsten der Natur. 
Was der Isis für Opfer gebracht wurden, habe ich schon er 
zählt, und ihr waren die Kühe heilig. 
Wenn nun aber auch schon von vielen anderen Thieren die 
Rede gewesen ist, welche von den Aegyptern verehrt wurden: so ist 
freilich schwer zu sagen, warum sie das thaten. Die leichteste Er 
klärung ist wohl die, daß sie den nützlichen Thieren danke» wollten 
durch den Götzendienst, den sie einzelne» von ihnen widmeten, die 
schädliche» sich aber zu Freunden erhalten durch gleiche Verehrung. 
So wurde der Ibis für heilig gehalten, wie ihr gehört habt, und 
die Katze; ja diese so hoch geehrt, daß man in einem brennenden 
Hause lieber Menschen umkommen sah als Katze». 
Wiederum betete man auch Krokodile an, da diese doch die 
fürchterlichsten Raubthiere i» Aegypten sind. 
Wir wollen uns an dieser Erklärung genügen lassen, wiewohl 
andre Lehrer meinen, die Thiere seien den Aegyptern sämmtlich 
Bilder der wirksamen Naturkräfte gewesen, oder gar der Stern- 
gruppen, durch welche die Erde bei ihrer Bahn um die Sonne geht. 
Die Gelehrten sind darüber nicht einig, und manche sagten auch 
wohl, die Aegypter hätten in de» Thieren die Seele» ihrer Verstor 
benen geehrt: denn das ist wahr, daß sie an eine Seelcnwanderung 
glaubten; dieser ihr Glaube aber verlangt eine neue Ueberschrift. 
Was die Aegypter von ihren Todten glaubten, 
und wie sie dieselben bestattete». 
Trauer und Begräbniß geschehen also bei ihnen, sagt Herodot. 
Wenn in einem Hause ein Mensch verschieden ist, das heißt einer,
        
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