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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Doch bis Freude, welche Alle an dem diesmaligen Weihnachts 
feste empfanden, war groß und gefühlt, und der heutige Abend 
machte so viele Glückliche im Hause, als niemals einer dergleichen 
in alten vorhergegangenen Jahren gemacht hatte. 
Karl Gr «in dach. 
Der Christbaum. 
Warum am Abend vor der heil'ge» Nacht 
Die vielen Lichter schimmern überall, 
Und auf den Tischen bei den Gaben stehn? 
DaS weiß ich wohl, und freu' mich, daß ich'S weiß. 
Das Weihnachtsfest ist uns ei» Stern in Nacht, 
Ei» Stern wie jener, der aus Morgenland 
Die weisen Männer rief nach Bethlehem. 
Und auch ein Heller Glanz umleuchtete 
Die Hirten bei den Hürden auf der Flur, 
Zu denen Gottes Freudenbotschaft kam: 
Der Heiland ist geboren aller Welt!" 
Allein was soll der grüne Tannenbaum 
Mit seine» scharfen Nadeln auf dem Tisch? —. 
Weil sonst nichts Grünes mehr im Felde prangt, 
Und jedes Auge doch das Grüne liebt? — 
Vielleicht. — Doch andre Deutung weiß ich noch. 
Aus feur'gcm Busch rief Mose» einst der Herr; 
Dir ruft der Heiland aus dem Weihnachtsbaum: 
„Ich bin's, der diese Freude Dir bereitet. 
Weil mich der Vater heut der Welt geschenkt, 
Und Deine Elter» sich des Heiles freuen, 
Bereiten sie Dir auch den Freudentag." 
Und wundre Dich auch nicht, daß goldne Frucht 
AuS Dorn und Nadeln Dir entgegen lacht. 
Es geht nicht anders in der Welt, mein Kind; 
Da ist mit Sorg und Kummer auch die Lust 
Vielfach umringt wie Rosen von den Dornen. 
Drum wie du dir de» goldnen Apfel mußt 
Behutsam brechen aus dem Wald von Dornen, 
So sei bedächtig im Genuß der Lust. 
Auch freut dich's mehr, was du mit Mühe dir 
Erwerben mußtest, als was unverdient 
Vom Himmel fällt wie Morgcnlicht und Regen. 
Das lerne von dem grünen Weihnachtsbaum. A. M< . 
———-—-. 
Gedruckt bei I. G. Brüschcke, Breite Straße Nr. 9.
        
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