Path:

Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

415 
tt-rn fröhlichen Gesanqsweisen aus, harmvoll schlich er eine ziemliche 
Strecke ans seinem Wege dahin, bis endlich sein natürlicher Froh 
sinn auch hier wieder den Sieg davon trug, die alte Heiterkeit zu 
rückkehrte, sein Herz sich öffnete und seine Lippen in wohlklingenden 
Töne» überflössen. , , 
Heitrer als er von H. ausgegangen war, kam er »n väterlichen 
Hause an, und erstaunte nicht wenig, als er hier eine ungewöhnliche 
Freudigkeit in aller Mienen glänzen sahe. Da ihm Niemand deren 
Ursache darthat, so vermuthete, darunter irgend ein Geheimniß 
welches zu seiner Zeit schon offenbar werden würde. Freudig, wie 
wohl ohne zu wissen, warum? fügte sich Johannes in diese allge 
meine Heiterkeit, und ward endlich sogar der Fröhlichst^ von allen, 
da er meinte: es werde ihm ja doch noch einmal der Schlüssel des 
Geheimnisses auSgcliesert werden, und so.könne er auch wohl noch 
ein wenig warten! 
Der heilige Abend mit seinen Hoffnungen und Erwartungen 
erschien, an welchem ehedem die kleine» Spenden und Gaben, die 
den Kindern bestimmt gewesen, ausgetheilt worden waren. Wie 
ehedem betraten die Eltern die geräumige Wohnstube, von deren 
Besuch sie auch jetzt die beiden Kinder vor der Hand ausschlössen, 
und Johannes blieb mit Marien schweigend und voll Erwartung 
alleim Da ertönte endlich der vielwillkommne Ruf: „Nur herein, 
Kinder!" und Hand in Hand flogen diese die Treppen hinab und 
der Wohnstube zu. 
Hier lagen auf einem Tische mehrere saubere, nutzbare Klei 
dungsstücke, für Johannes ein vollständiger neuer Anzug, mehrere 
Stücke feiner, saubrer Wasche,, für Marien ein warmes Winterkleid 
nebst Tuch; dazu Aepfel, Nüsse, Stollen für eine» Jeden, alles im 
größer» Ueberfluß, als ehedem. — Johannes staunte. 
„Ja! staune nur immer, mein lieber Sohn?" sprach 
der Daker, indem er Jenen, der ihm seinen Dastk stammelte, in 
seine Arme schloß. „Staune nur, daß der liebe, heilige Christ in 
diesem Jahre so gar reich zu uns eingezogen ist; und du wirst noch 
mehr erstaunen und die wciSheitSvollen Wege Gottes gerührt vereh 
ren lernen, wenn du — dies wirst gelesen haben!" 
Er überreichte ihm nach diesen Worten ein Papier, in welchem 
Graf Aarheim (der nämliche, welchem Johannes damals hülfreich 
beigestanden) dem Jünglinge vom neuen Jahr an eine ansehnliche 
Summe zu seinen Studien aussetzte, deren ersten Termin er schon 
jetzt, und zwar in Gold, eingesandt hatte, wo er zugleich sich ver 
pflichtete: er wolle, falls Johannes noch eine andre Hochschule zu 
besuchen wünsche, ihm auch da diese Unterstützung angcdeihen lassen. 
Voll inniger Rührung, unter heißen Thränen des Dankes zu 
Gott und dem Edeln, von welchem diese unerwartete Hülfe gekom 
men, entsank das Papier den zitternden Händen Johannes, die 
Rührung versiegelte seine Lippen.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.