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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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seinem Netter, nachdem er nud sein Sohn diesem herzlichst gedankt 
hatten: er solle von ihm bald etwas Näheres erfahre»! 
Volt heitrem Irohgefübl und im besten Wohlsein kam Johan 
nes in dem Hause seiner Eltern an, wo er mit inniger Zärtlichkeit 
und hingebender Liebe empfangen ward. Die wenigen Woche», die 
er hier zubrachte, verstriche» gleich eilenden Tagen, die Tage wur 
den zu Stunden, und unter Berathungen und Beschlüssen, aber 
auch unter traulichem Kosen und freundlichem Geplauder war die, 
dem Jüngling hier vergönnte Zeit zu Ende. Johannes erzählte 
vorher noch den theuern Elter» jenes Erlcbuiß an der Unstrut, und 
mit verdoppelter Zärtlichkeit drückte der Vater den Sohn an sein 
Herz, indem er ihn seines Muthes und seiner, keine Gefahr scheuen, 
den, Menschenliebe wegen von ganzen, Herzen belobte. 
Die Zeit der Ferien war zu Ende, und Johannes machte An 
stalt, seine geliebte Musenstadt wieder zu besuchen, aber eben jetzt 
zeigte sich die Beschränktheit der VermögenSumstände seiner Eltern; 
jetzt, da der Vater ihm die mühsam ersparte Summe für die Be 
dürfnisse des bevorstehende» Vierteljahres einhändigte, siel ihm der 
geringe Betrag derselben schwer auf das Herz, er gedachte aller der 
jenigen unter seinen Kömmnitonc», die in einem Monate mehr 
zu perzehr/u hatte», als ihm fast.in einem Jahre beschicden warf 
und eine Art von Misimuth beschlich sein Herz. Doch er beschwich 
tigte denselben, und sein Glaube an Gottes ewige Huld und Güte 
verwandelte die leise Klage in seinem Innern in Ruhe und Geduld. 
Weil H. nicht zü weit von dem heimathlichen Dorfe entfernt 
lag, so hatte man im Hause deS Pfarrers Friedberg beschlossen, daß 
der Sohn auch die Weihuachtsferien im elterlichen Kreise zubrin 
gen und die kleinen Freuden dieser Wonnczeit, wie es die häusliche Be 
schränktheit gestattete, dort genießen sollte. Während dem war in 
Johannes engbezirktcm Dajejn nichts von Bedeutung vorgefallen; 
ber jung; Mqnn war »»ermüdet fleißig, strengte sich an, entbehrte, 
und suchte als ehrlicher Mann mit dem Wenige», was ihm zu Theil 
geworden, auszukommen, obwohl jhm dies zuweilen recht sauer und 
schwer fiel. Als die liebliche Woche deS alleserfrencnden Festes end 
lich eintrat, schnürte auch Johannes sein Bündle,,>, sagt« seinem 
Wirth ein fröhliches Lebewohl, und trat feinen Weg nach der Hci- 
math an. 
Diesmal aber lag auf feinem Herzen einiger Nebel des Trüb 
sinns u»d hjumuths, denn ep hätte doch gar zu gern den Eltern 
wie dem Schwesterchen etwas Weniges zum heiligen Christ bescheert, 
hätte gar zn gern da, wo sich Alles der Freude und dem Entzücke» 
hingab, auch selbst mit Freude gemacht! So kam er nun aber arm, 
leer und ohne irgend eine Gabe a», und erwarten konnte er eben 
falls wenig oder nichts, den» er kannte des theuern Vaters Unver 
mögen, dessen ganze Ersparnisse fast sein Studium wegnahm. Da 
rum ließ er Anfangs sich -nicht, wie damals im Herbste, i» nistn-
        
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