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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Der Vater nimmt da- Wort und spricht zu Beiden: 
„Von diesem Fest, das buch so glücklich macht, 
Kennt jetzt'Ihr nur die slücht'gen Kinderfreuden, 
Doch nicht das Heil, da- es der Welt gebracht; 
Auch buch wird sich'- in Euren spätern Jahren 
Im Glauben an den Mitttcr offenbaren. 
Die Kindheit ist schnell wie ein Traum verschwunden; 
Den reinen Kindersinn erhaltet Euch! 
Er tröstet Euch in Euren Prüfung-stunden. 
O wißt: den Kindern ist da? Himmelreich! 
So sprach der größte Kinderfreund, Ihr Lieben! 
So steht es in der hcil'ge» Schrift geschrieben." 
Karl Müchlcr. 
Griechische Helden der Sagenzeit, 
li. 
Thetens. 
(Beschluß.) 
Theseus hatte mit Ungeduld der Erzählung des Vaters zuge 
hört, denn schon war in seiner Seele der Entschluß fest, sein Va 
terland von dem Tribute zu befreien, ja auch die jetzt abzusenden 
den Schlachtopfer noch zu retten. Er beschwor seinen Vater, ihn 
mit nach Kreta schiffen zu lassen, und dieser willigte endlich mit 
bekümmertem Herzen ein; doch machte er die Bedingung, daß sein 
Sohn, wen» er glücklich von dem Abenteuer zurückkehre, die schwar 
zen Segel des Schiffes mit weißen vertausche» sollte. 
Der junge Held trat an die Stelle eines der Jünglinge, die 
eben traurig von ihren Eltern und dem Leben Abschied nahmen, 
und alle gelangten wohlbehalten nach Kreta. Eine Zeit lang^war 
ihnen erlaubt, unter strenger Bewachung dort noch in der Stadt 
des Minos zu verweilen, schon damit das Volk fich an ihrem Anblick 
weiden möchte, und seines UebergewichtS über Athen sich freuen. In 
dieser Zeit war besonders ThcseuS, der Königssohn, Gegenstand allge 
meiner Aufmerksamkeit, und selbst des Minos Tochter, Ariadne, warf 
die Augen auf ihn, nicht wenig entzückt von seiner schönen Gestalt, dem 
Adel seiner Sitten und dem Ruf seiner Thaten. Ei» junger 
Mensch muß Glück haben. Was hätte unserm Helden all seine 
Tapferkeit, sein Muth geholfen in dem Labyrinth, daraus kein Ent 
kommen war, gegen ein Unthier, dem er keine Waffen entgegenset 
zen konnte, da die armen Opfer halb nackt und unbewehrt in den 
Palast dcS Todes eingeführt wurden. Trotz seiner vornehmen Ge 
burt, Jugend und Anmuth, ward auch TheseuS zu diesem traurigen
        
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