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der König. Wenn der Künstler sehnsüchtig mit seinem Knaben alldem
Fenster des Thurmes in de» weiten blauen Himmel schaute,
dann beneidete er oft die Vögel, die sich so fröhlich schaukelten in
der leichte» Luft, iinb mit denen er gern davon geflogen wäre. Und
wie er denn manches schwere Werk schon vollbracht hatte mit seiner
Kunst, sahe er den Lustbewohnern den Bau ihrer Flügel ab und
den Gebrauch derselben. Er sammelte die Federn, die in Nestern,
und einzeln verloren auf und an seinem Thurme sich fanden, vcr.
band sie mit Wachs in derselben Ordnung, wie sic die Schwingen
der Vögel bilde», und nun heftete er seinem Ikarus und sich die
künstlichen Flügel an die Schultern.
Sorgsam unterrichtete er den Knaben, wie er der neuen Glieder
sich bedienen sollte, und warnte ihn besonders, nicht zu hoch in
die Lust hinauf zu fliegen, weil die nähere Sonne das Wachs der
Flügel schmelzen möchte; und nachdem alles vorbereitet war, begaben
sich beide auf die Luftreise. Da mögen Landlcnte und Schisser
gestaunt haben, was für Ivundcrbare Vögel hoch über ihre» Köpfen
dahinflogen, denn anfangs hielt sich Ikarus nahe bei dem Vater.
Nach und nach aber gefiel ihm die freie, herrliche Bewegung
des Fluges, und mit jugendlichem UelferntM> wagte er sich hoch in
den Himmel hinauf, in die Nachbarschaft der Sonne. Da geschahe,
was der Vater befürchtet hatte, die heißeren Strahlen des leuchtenden
Gestirns schmolzen das verbindende Wachs der Schwingen, und
Ikarus fiel in das Meer hinab, das noch seinen Name» führt.
Der Vater gelangte »ach Italien, aber Trauer über den Tod des
Sohnes mag ihn getödtet haben; mau hat nichts wieder von ihm
gehört. — Du merkst mein Sohn, daß die Geschichte nicht wahr
sein kann, denn ich traue dir so viel naturwissenschaftliche Kenntniß
zu, daß du weißt, die Sonne scheine, je entfernter der Erde, um so
unwirksamer; aber, wie gesagt, die Leute erzähle» so."
(Beschluß folgt.) '
Die Weihnachtsfreude:
(Erzählung.)
Es war im Anfang des Herbste-, als der junge Friedberg von
der Hochschule zu H., die er seit einem Jahre bereits besucht, und
aus der er sich zur künftige» Führung eines PredigtamtcS vorbereitete,
nach Hause reifete, um da im Kreise seiner ehrwürdigen Eltern
und des trauten Schwesterchens, Marie, seine Ferien zuzubringen.
Das Herz des Jüngling-, wiewohl er nur arm und von mannigfachen
Sorgen gedrückt war, schlug dennoch leicht, die dunkle, herbe
Gegenwart mit allen ihren pressenden Erinnerungen war vor ihm
versunken, reizende Bilder voll Hoffnung und Freudigkeit gaukelten
vor seinen Blicken, und er schaute mit hellen Augen in die Ferne
der Zukunft.