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Volume No. 51

Full text : Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George (Public Domain) Ausgabe 5.1836 (Public Domain)

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der  König.  Wenn  der  Künstler  sehnsüchtig  mit  seinem  Knaben  alldem ­
  Fenster  des  Thurmes  in  de»  weiten  blauen  Himmel  schaute,
dann  beneidete  er  oft  die  Vögel,  die  sich  so  fröhlich  schaukelten  in
der  leichte»  Luft,  iinb  mit  denen  er  gern  davon  geflogen  wäre.  Und
wie  er  denn  manches  schwere  Werk  schon  vollbracht  hatte  mit  seiner
Kunst,  sahe  er  den  Lustbewohnern  den  Bau  ihrer  Flügel  ab  und
den  Gebrauch  derselben.  Er  sammelte  die  Federn,  die  in  Nestern,
und  einzeln  verloren  auf  und  an  seinem  Thurme  sich  fanden,  vcr.
band  sie  mit  Wachs  in  derselben  Ordnung,  wie  sic  die  Schwingen
der  Vögel  bilde»,  und  nun  heftete  er  seinem  Ikarus  und  sich  die
künstlichen  Flügel  an  die  Schultern.
Sorgsam  unterrichtete  er  den  Knaben,  wie  er  der  neuen  Glieder ­
  sich  bedienen  sollte,  und  warnte  ihn  besonders,  nicht  zu  hoch  in
die  Lust  hinauf  zu  fliegen,  weil  die  nähere  Sonne  das  Wachs  der
Flügel  schmelzen  möchte;  und  nachdem  alles  vorbereitet  war,  begaben ­
  sich  beide  auf  die  Luftreise.  Da  mögen  Landlcnte  und  Schisser ­
  gestaunt  haben,  was  für  Ivundcrbare  Vögel  hoch  über  ihre»  Köpfen ­
  dahinflogen,  denn  anfangs  hielt  sich  Ikarus  nahe  bei  dem  Vater. ­
  Nach  und  nach  aber  gefiel  ihm  die  freie,  herrliche  Bewegung
des  Fluges,  und  mit  jugendlichem  UelferntM>  wagte  er  sich  hoch  in
den  Himmel  hinauf,  in  die  Nachbarschaft  der  Sonne.  Da  geschahe,
was  der  Vater  befürchtet  hatte,  die  heißeren  Strahlen  des  leuchtenden ­
  Gestirns  schmolzen  das  verbindende  Wachs  der  Schwingen,  und
Ikarus  fiel  in  das  Meer  hinab,  das  noch  seinen  Name»  führt.
Der  Vater  gelangte  »ach  Italien,  aber  Trauer  über  den  Tod  des
Sohnes  mag  ihn  getödtet  haben;  mau  hat  nichts  wieder  von  ihm
gehört.  —  Du  merkst  mein  Sohn,  daß  die  Geschichte  nicht  wahr
sein  kann,  denn  ich  traue  dir  so  viel  naturwissenschaftliche  Kenntniß
zu,  daß  du  weißt,  die  Sonne  scheine,  je  entfernter  der  Erde,  um  so
unwirksamer;  aber,  wie  gesagt,  die  Leute  erzähle»  so."
(Beschluß  folgt.)  '

Die  Weihnachtsfreude:
(Erzählung.)
Es  war  im  Anfang  des  Herbste-,  als  der  junge  Friedberg  von
der  Hochschule  zu  H.,  die  er  seit  einem  Jahre  bereits  besucht,  und
aus  der  er  sich  zur  künftige»  Führung  eines  PredigtamtcS  vorbereitete, ­
  nach  Hause  reifete,  um  da  im  Kreise  seiner  ehrwürdigen  Eltern
und  des  trauten  Schwesterchens,  Marie,  seine  Ferien  zuzubringen.
Das  Herz  des  Jüngling-,  wiewohl  er  nur  arm  und  von  mannigfachen ­
  Sorgen  gedrückt  war,  schlug  dennoch  leicht,  die  dunkle,  herbe
Gegenwart  mit  allen  ihren  pressenden  Erinnerungen  war  vor  ihm
versunken,  reizende  Bilder  voll  Hoffnung  und  Freudigkeit  gaukelten
vor  seinen  Blicken,  und  er  schaute  mit  hellen  Augen  in  die  Ferne
der  Zukunft.
            
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