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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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ihn nicht zu bemerken schien. Franz wagte nicht zu schicficn, auS 
Furcht Wilhelm zu lobten, falls er noch nicht todt wäre; denn er 
zitterte so, baß er seines Schusses nicht mehr sicher war. Er hob 
«ine» Stein auf und warf ihn »ach dem Baren. — Dieser wandte 
sich wüthend nach seinem neuen Feinde; sie waren so nabe bei ein 
ander, daß der Bär sich auf den Hintertatzen aufrichtete, um ihn 
zu erdrücken. Franz fühlte, wie das Thier mit der Brust den kauf 
seines Karabiners verstopfte. Mechanisch drückte er den Finger auf 
den Hahn, und der Schuß ging loS. 
Der Bär fiel rücklings über, die Kugel war ihm durch die 
Brust gegangen und hatte das Rückgrat zerschmettert. — Franz 
ließ ihn sich heulend auf seine» Vordcriatzen fortschleppen und eilte 
z» Wilhelm. Da war aber kein Mensch Mehr, da war nicht ein 
mal mehr ein Leichnam. Da war nur noch zcquctschter Gebein 
und Fleisch- Der Kopf war fast ganz verschlungen.") 
Äle Franz setzt an der Bewegung der Lichter, die hinter den 
Fenstern der nahen Häuser hin und her wankten, bemerkte, daß 
mehrere Dorfbewohner erwacht wären, ries er mehreremal um Hülfe, 
die Stelle bezeichnend, wo er war. Einige Bauern liefen mit Waf 
fe» herbei, denn sic hatten da« Geschrei und die Schüsse gebort. 
Bald war das ganze Dorf in Wilhelms Baumgarten versam 
melt. — Seine Frau kam mit den Uebrige» herbei. Es war ein 
fürchterlicher Auftitt. Alle die dabei waren, weinten wie die Kinder. 
Man sammelte im ganzen Rhönctbale eine Collecte für sie, 
die 700 Franken einbrachte. Franz überließ ihr seine Prämie, und 
ließ zu ihrem Besten Haut und Fleisch des Bären verkaufen. Kurz, 
Jedermann bemühte sich ihr beizusiebn und ihr Hülfe zu bringen. 
Alle Gastwirthe haben sogar eingewilligt, eine Subscriptionsliste zu 
ihrem Besten zu eröffnen, und wenn der Herr seine» Namen auck 
darauf setzen will; — Das will ich allerdings; geben Sie schnell 
der! — Ich hatte eben meinen Namen unterzeichnet und meine 
Beisteuer gegeben, als ein dicker, blonder Bursche von mittler 
Größe hereintrat. ES war der Führer, der mich de» folgenden 
Morgen nach Cbamuny geleite» sollte, und der sich nach der Stunde 
des Aufbruchs und der Art der Reise zu erkundigen kam. Meine 
Antwort war eben so kurz als bestimmt. — Um fünf Uhr Mor 
gens und zu Fuß. H. P. 
*) Es ist eine wahre Begebenheit, di« hier geschildert wird. 
Die Stadt Panama in Süd-Amerika. 
Wie alle Portugiesischen und die meisten Span. Städte, erfüllt Pa 
nama nicht die Vorstellung die sich der Fremde beim ersten Anblick 
davon macht, wenn er von der Savanne hcrabkommt. Die Häu 
ser sind durchgängig von Holz und zwei Stockwerk hoch gebaut-
        
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