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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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hinein laden, und dar Gewehr in die Ecke seiner Hütte stellen. 
Des Abends, da er wieder vor dem Hanse vorbeiging, bemerkte er 
ans der Bank, die vor der Thür stand, Wilhelm, der dort saß nnd 
ruhig seine Pfeife rauchte. Er ging von neuem zu ihm. — Höre 
zu, sagte er, ich bin nicht habsüchtig. Ich habe unsers TbiereS 
Spur gefunden; also brauche ich dich nicht mehr. Gleichwohl komme 
ich dir nochmals vorzuschlagen, daß wir die Sache zusammen ab 
thu». — Jeder für sich, sprach Wilhelm, — 
Der Nachbar hat mir das vorgestern -erzählt, fuhr mein Wirth 
fort, und er fragte mich: begreift Ihr, Hauptmann, — denn ich 
bi» Hauptmann bei der Miliz, — begreift Ihr de» armen Wilhelm? 
Ich sehe ihn noch auf der Bank vor seinem Hause, mit gekreuzte» 
Armen, seine Pfeife rauchend, wie ich euch sehe. Und wenn ich 
hernach denke! — 
Und weiter! sagte ich, lebhaft von dieser Erzählung angezogen, 
welche alle meine Jägererinnerungen aufweckte. 
Weiter, fuhr der Wirth fort, kan» der Nachbar nicht sagen, 
was Wilhelm am Abend that. — Um halb elf Uhr sah ihn seine 
Frau die Flinte nehmen, eine» grauen Lcinwandsack unterm Arme 
zusammenrollen und ausgehen. Sie wagte nicht ihn zu fragen, 
wohin er ginge, den» Wilhelm war nicht der Man» darnach einer 
Frau Rede zu stehn. 
Franz seiner ScitS batte wirklich des Bare» Spur entdeckt; 
er hatte sie bis dahin verfolgt, wo sic sich in Wilhelms Baumgar- 
te» verlor, und da er nicht das Recht hatte, sich auf seines Nach 
bars Grund und Boden auf den Anstand zu stellen, so begab er 
sich zwischen den Tannenwald, der auf der Hälfte der Berge ist, 
und Wilhelms Garten. — Da die Nacht ziemlich hell war, so 
sah er diesen zu seiner Hinterthür hinausgehn. Wilhelm ging bis 
zum Fuß eines graue» Felsstücks, das vom Gebirge bis in die 
Mitte seines Gartens hcrabgerollt war, und das höchstens zwanzig 
Schritt von dem Birnbaum ablag, blieb dort stehn, sah um sich her, 
ob ihm Niemand austauschte, wickelte seinen Sack auseinander, kroch 
hinein, indem er nur Kopf und Arme aus der Oeffnung hervorse- 
hen ließ, und sich an de» Fels leimend, verlor er sich bald durch 
die Farbe seines Sackes und die Unbeweglichkeit seiner Lage so in 
dem Steine, daß der Nachbar, der doch wußte, daß er dort war, 
ihn bald selbst nicht mehr unterscheide» konnte. So ging, in Er 
wartung des Bären, eine Viertelstunde hin. Endlich kündigte ihn 
ein langes Gebrüll an. Fünf Minuten darauf wurde Franz ihn gewahr. 
Indeß, sei cs aus List, sei eS, daß er den zweiten Jäger ge 
wittert, er verfolgte nicht seinen gewöhnlichen Weg. Im Gegen 
theil batte er eine» Bogen beschrieben, und anstatt von Wilhelms 
linker Seite herzukommen, wie er am Vorabend gethan, ging er 
diesmal auf seiner rechten Seite vorbei, außer dem Bereiche von 
Franzens Flinte, aber höchstens zehn Schritt von Wilhelms Gewehr. 
Mündung entfernt.
        
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