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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Es sind aber einige da, mit besonderen Verbrechen belastet, ja 
die sich gegen Götter unmittelbar vergangen haben, und diese sehen 
wir mit eigenthümlich schrecklichen Strafen belegt. 
Wer ist der gewaltige Mann dort, der an Hand und Fuß ge 
fesselt, eine» schweren Stein de» hohen Berg hinauf wälzt? Sisypb »S 
ist es, ein furchtbarer Räuber vordem, der den Reisenden auflau 
erte und ihnen, um sie zu todten, eine» schweren Stein auf den Leib 
legte, von welchem sie erdrückt wurden. Er gedachte aber auch de» 
Pluto zu betrügen, und deshalb sichst du ihn dort 
„von schrecklicher Mühe gefoltert, 
Eines Marmors Schwere mit großer Gewalt sorthcben. 
Angestemmt arbeitet er stark mit Händen und Füßen, 
Ihn von der Au aufhebend zur Bcrghöh. Glaubt' er ihn aber 
Schon auf den Gipfel zudrehn, da mit einmal stürzte die Last umz 
Hurtig hinab mit Gepolter entrollte der tückische Marmor. 
Dann von vorn arbeitet er angestrengt, daß der Angstschweiß 
Rings den Gliedern entfloß und Staub umwölkte das Antlitz. 
So wird er ewig arbeiten, denn der Stein darf nicht ruhen 
auf dem Gipfel. — 
Horcht Kinder, welch ein entsetzliches Geschrei? O ihr Götter, 
da liegt ein ungeheurer Riese, TityuS, über neun Morgen Landes 
ausgestreckt, angeschmiedet auf der Erde. Seht den großen Geier, 
der eben von seiner zerfleischten Brust auffliegt, und ei» Stück von 
seiner Leber noch im Schnabel hält, die er ihm zum Theil abgefres 
sen. O wen» nur das furchtbare Mahl des Vogels erst beendet 
wäre, daß der Unglückliche im Tode Ruhe fände! Aber nein, die 
Leber wächst ihm jeden Monat wieder, und der Geier kommt täg 
lich, feine Strafe zu vollziehen. Es ist die Rache einer Göttin, 
die den Riese» verfolgt; er hat der Mutter AppoUo'S und der Diana, 
der Latona, Gewalt anthun, wollen. 
Sehet da, ein großes Rad sich von selbst umdrehen und lau 
sen, ohne daß Jemand eS wälzt. Und schrecklich! ei» menschlicher 
Leib ist zwischen die Speichen geflochten, ei» lebendiger Mensch mit 
Athem und fühlenden Nerven. Der Mann heißt Ix io»; er hat 
freilich auch ein schändliches Verbrechen begangen, seine» Schwie 
gervater in eine Grube voll glühender Kohle» gestürzt und ihn so 
getödtct, dazu auch die Juno verhöhnt: so mußte ihm böses Ge 
werbe bösen Lohn bringen. 
Schwerer noch hat sich jener versündigt, den wir dort i» einer 
Felsenhöhle angefesselt erblicken, mit halbem Leibe im Wasser, über 
ihm Baumzweige. Es ist Tantalus, einst der Freund und Ver-- 
traute der hohen Götter. Er hat mit ihnen zu Tische gesessen, ihre 
Bcrathschlagungeii über der Menschen Schicksale gehört, und dies 
ehrenvolle Vertrauen gemißbraucht, indem er den Sterblichen mit-
        
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