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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

Berliner 
NmVer-TSAoeyerrdlatt 
,M' 48. Jahrgang V. 1836. 
Rrtactfur A. Merzet. Verleger George Gropius 
Vorstellung der Griechen von einem Leben nach 
dem Tode. 
Die Unterwelt. 
Wie kein Volk gewesen ist ohne eine Ahnung davon, daß der 
Leib zwar wieder zur Erde werden muß, davon er genommen ist, 
die Seele aber unsterblich sein müsse: so baden auch die Griechen 
eine solche Lehre und solchen Glauben gehabt; Schicksal und Ausent 
halt der Berstorbenen aber dachten sie sich etwas abenteuerlich, und 
immer behielt die Meinung bei ihnen die Oberhand: Ein Tag auf 
der Oberwelt sei besser denn 1000 Jahre auch am Orte der Se 
ligen, im Elysium. 
Schon die Griechischen Gebräuche bei Leichenbestattungen deu 
teten an, daß die Seele des Verstorbenen eine neue Pilgerschast an 
getreten habe. Wenn man die Götter der Unterwelt anrief, ihr 
einen gnädigen Spruch zu ertheilen und gute Wohnung anzuweisen, 
so war das fromm und erbaulich, und wir thu» ja desgleichen; 
aber wenn man dem Leichnam ein Geldstück in den Mund steckte 
zu einem Gebrauch, dessen wir gleich erwähnen wollen, so lag da 
der Aberglaube von einem noch bestehende» Zusammenhange zwischen 
Leib »nd Geist zum Grunde. 
Abergläubische Leute unter uns machen das Fenster auf, wenn 
ein Mensch stirbt, damit die Seele da hinaus kommen könne; sie 
meinen also, diese habe noch irgend etwas Körperliches an sich, wenn 
sie eine Ocffnung braucht, um hindurch zu dringen. Etwa so dach 
ten sich die Grieche» und Römer, deren Glaube hier übereinkommt, 
die abgeschiedene Seele auch noch mit einem Dunsttörpcr umgeben, 
und nannten das zur Unterwelt wandernde Wesen, Schatten. 
Von der grüne» Erde, dem frohe» Lichte der Sonne geht also 
der Schatten des Abgeschiedenen unter die Erde, in de» dunkeln 
Orkus oder Hades hinab, welchen Pluto, der dritte regierende 
Sohn de« Saturn, beherrscht. Wie e» da aussähe? wer hat's ge-
        
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