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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Keine Stimme des Mitleids hatte sich unter den Bewohnern 
Ceinowo'S gegen das begangene Verbrechen erhoben, alle hatte» vom 
Lande aus durch schreckliche Verwünschungen und wilden Beifall 
ruf ihre Uebereinstimmung und Zufriedenheit mit den Mördern kund 
gethan; so ließ sich denn erwarte», daß auch ferner Alle nur daran 
denken würden ihr Blutwerk zu verhülle», nicht es an's Licht zu 
ziehen. Und wenn auch späterhin das Gerücht davon erschollen wäre, 
wie hätte man dann noch alle Umstände so genau ermitteln und 
den schlaue» Anstifter der begangenen Gräueltbat zur schuldigen Ver 
antwortung ziehen können? wie so oft schon würde der finstere Geist 
des Aberglaubens in diesem Fall wiederum gesiegt haben, und man 
ches unschuldige Opfer möchte wohl, der arme» Wittwe gleich, dann 
noch gefalle» sein. 
Doch der Allmächtige ließ das nicht geschehen. Er, der oft die 
Schwächsten zu Werkzeuge» großer Thaten erwählt, weckte auch 
hier in den zarten Herzen der zitternden Unschuld den schlummern 
den Rächer auf. Denn die hülflvsen Kinder der Gemordete», nach 
dem sie vom Ufer aus die blutige Handlung mit angesehn, eilten 
von Angst getrieben, ohne daß man es in der allgemeiuen Aufre 
gung bemerkte und verhinderte, nach dem nächste» Orte zu einem 
Verwandten, dem sie jammernd das Entsetzliche verkündeten. So 
gleich fuhr dieser Man» zur See, da er sich zu Lande nicht durch 
den Schreckensort wagte, mit den Kleinen nach Putzig und zeigte 
die schauderhafte That dem dortigen Gerichte an. Dieses verfügte 
schleunigst die nöthige Untersuchung; noch an demselben Tage be 
mächtigte man sich des schändlichen Kaminskv und der acht Fischer, 
welche Tbeilnehmer des Mordes gewesen waren. Alle wurden 
gleich darauf nach Marienwcrdcr abgeführt, wo die Sache noch ge 
nauer ermittelt, und wahrscheinlich bald daS Urtheil der Schuldigen 
vollstreckt werden wird. 
Mit immer größerer Spannung und Gemüthsbewegung hatte» 
die Mitglieder des Klarmaniische» Familienkreises die Fortsetzung 
von Hrn. Dietrichs Erzählung angehört. Jetzt am Schluß dersel 
ben gab jeder Einzelne laut seine Empfindungen kund. Alle verei 
nigten sich in dem wehmüthigen Gefühl, das jeden Menschenfreund 
ergreife» muß, wenn er einsieht, in welchem namenlosen Elende »och 
Tausende seiner Mitbrüdcr schmachten. Man bejammerte das un 
glückliche Ende der hiugeopferten Frau, die Verlassenheit ihrer Klei 
nen, vorzüglich aber die Verwahrlosung der unwissende», verblende 
ten Menschen, die ohne zu wissen, was sie thaten, sich einer Hand 
lung schuldig gemacht hatten, die unter dem rohesten Volke der Erde 
weiss nicht "barbarischer ausgeübt werden mag. Nur gegen den 
Stifter dieses Unheils, im Fall er wirklich selbst aufgeklärter sei und 
mit vollem Bewußtsein die schreckliche Handlung verübt habe, ward 
allgemeiner Unwille laut. 
Mitten in dieser Aufregung erinnerte sich Theodor eines Aus 
drucks, der ihm im Laufe der Erzählung aufgefallen war; er hatte
        
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