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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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«n th«lS zwischen, theil« auf den Trümmern der alten Tempel 
und Paläste errichtet sind. Mehrere der größten Paläste sind glück 
licherweise erhalten worden, und zeigen eine Pracht, von der man 
in «ms«»« Zeilen keinen Begriff mehr hat. Von den vorzüglichsten 
derselben will ich Euch eine kurze Beschreibung geben: 
Bor dem Eingänge stehen zwei hohe Obelisken. Es sind 
dir« viereckige, oben spitz zulaufende Säulen, die aus Einem Stein 
gehauen und mit den räthselhaflen Schriftzcichen, die man Hiero 
glyphe» nennt, bedeckt sind. Wahrscheinlich bezeichneten diese 
Schriftzeichen den Name» desjenigen Königs, der den Palast er 
baute, und die Zeit, wann dies geschah, so wie die merkwürdigen 
Begebenheiten, die sich unter seiner Regierung zutrugen; Dann 
tritt man durch ein hohes Thor in eine» großen Vorhof, der mit 
Säulenhallen umgeben ist; durch ein andres Thor gelangt man in 
einen zweiten Vcrhof, endlich in die inneren Gemächer, welche be 
deckt sind. Zn der Mitte derselben befindet sich der Hauptsaal. 
Hundert und fünfzig Säulen von der kunstvollsten Arbeit tragen 
die ungeheure Decke, welche aus großen zugehauenen Steinblöcken 
besteht, und mit goldnen Sterne» auf blauem Grunde besäet ist. 
An allen Wänden sind kolossale Figuren in Stein gehauen, mei- 
stentheils aber sind die wichtigsten Thaten des Königs darauf abge 
bildet. Gewöhnlich bilden Schlachten de» Gegenstand dieser Abbil 
dungen. Der König steht auf sei,.em Kriegswagen, und unterscheidet 
sich von den anderen Figuren durch seine ungeheure Größe; er ist 
mit Lanze, Bogen und Pfeilen bewaffnet, und man sieht, wie seine 
Geschosse eine furchtbare Niederlage unter den Feinde» anrichte». 
Nebe» ihm ist sein Heer ausgestellt, gegenüber die Feinde, welche 
sich auf das genaueste durch ihre Kleidung und Rüstung von den 
Aegypterü unterscheiden. An einer aicher» Wand ist eine Löwen 
jagd dargestellt. Der König, der auch hier über alle seine Beglei 
ter hervorragt, steht auf einem getödteten Löwen, indem er einen 
zweiten mit dem Pfeile erlegt. Eine dritte Wand zeigt eine» Sie- 
gcsaufzug. Der König sitzt auf einem prachtvolleit Thron, der mit 
den schönsten Teppichen bedeckt ist. Ihm naht ein langer Zug von 
festlich geschmückten Kriegern und Priestern, welche ihm die den 
Feinden abgenommenen Schätze überreichen; endlich folgen die ge 
fesselten Gefangenen. An anderen Wänden (denn alle Wände der 
Tempel und Paläste enthalten dergleichen Abbildungen) sicht man 
ein Seegefecht oder die Erstürmung einer Festung, bisweilen auch' 
Scenen aus dem häuslichen Lebe» der Könige abgebildet. 
Die herrlichen Tempel, welche sich unter den Trümmern 
Thebens erhalten haben, unterscheiden sich nur wenig von den Pa 
lästen. Die Bauart ist dieselbe, und fast noch prächtiger und groß 
artiger als dort; dagegen haben die Abbildungen an den Wanden 
einen ganz andern Gegenstand. Hier sind vorzüglich Opfer und 
andre religiöse Gebräuche dargestellt; die Figureil sind, wie i» den 
Palästen, in Stein gehauen und mit den lebhaftesten Farben bemalt.
	        
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