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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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de», Herrlichkeit, die nimmer vergehen sollte. Nicht irdische Nah 
rung »ahmen sie zu sich, sondern die köstliche Ambrosia war ihre 
Speise, und der süßduftende Nektar ihr Trank; der uralte Dich 
ter Homer singt von ihnen: 
„Nicht kosten sie Brod noch trinken sie funkelnden Wein, 
„Blutlos sind sie daher and heißen unsterbliche Götter." 
Hoch erhaben über alle andere dieser seligen Wesen war Jupi 
ter, der Herr des Himmels und der Erde, der Ordner der Welt, 
der Vater der Mensche» und Götter. Auf goldenem Throne mit 
goldenem Scepter denkt ihn der Grieche; Ehrfurcht gebietet daS 
Antlitz, von den wallenden Locken des Haupthaars und des gewal 
tige» Barts umschattet. Wen» der Himmlische nur mit den schwar 
zen Augenbrauen winkt, so erbebt der Olymp, sein Wort schafft hei 
tere Bläue deS Himmels, sein Wort deckt denselben mit schwarzen 
Wolken. Bald hält er selbst feurige Blitze, in der Hand, bald um 
faßt der neben ihm sitzende Adler die furchtbaren Flammen mit sei 
nen Krallen; die ganze Erscheinung ist zu wunderbar, als daß mensch 
liche Sinne sic zu fassen vermöchten, und nur zuweilen verbirgt der 
Mächtige seine Größe, wen» er in einfacher Menschengestalt oder gar 
in Form eines Thieres di« Erde besucht, um zum Rechte» zu sehen, 
um die Guten zu belohnen und die Bösen zu strafen. In einem 
Gesänge des vorhin erwähnten Homer beschreibt Jupiter selbst seine 
Stärke mit folgenden Worten: 
„Auf! wohlan, Ihr Götter, vcrsucht's, daß Ihr all' er erkennet, 
„Eine goldene Kette befestigend oben am Himmel, 
„Hängt dann all' Ihr Gatter Euch an uod Ihr Göttinnen alle; 
„Dennoch zögt ihr nie vom Himmel herab auf den Boden 
„Zeus, den Ordner der Welt, wie sehr Ihr auch rängt in der 
Arbeit! 
„Wenn nun aber auch mir im Ernst' es gefiele zu ziehen, 
„Selbst mit der Erd' Euch zög' ich empor und selbst mit dem 
Meere; 
„So weit rag ich vor Göttern an Macht, so weit vor den MenschenI" 
Jupiters Macht theilt seine Schwester und Gattin Juno 
(Here), die hohe Himmelskönigin, die entweder neben dem Gemahl 
auf dem Throne sitzt, oder auf einem mit Pfauen bespannten Wa 
gen durch die Luft fährt; der stolze Pfau nämlich war der stolzen 
Göttin als Liebling geweiht. Ihr war der Hochmuth, ihren Schwe 
stern Besta und Ceres Milde und Sanftheit eigen; die beiden 
legten wurden mit Liebe, die Juno mehr mit Furcht angebetet; 
Besta nämlich hatte die Menschen Häuser bauen gelehrt und durch 
ihren Beistand loderte warm und freundlich das Hecrdfeuer. Da 
mit aber die Flamme auch benutzt werden köante, um durch Kochen 
und Backen die häusliche Bequemlichkeit vollkommen zu machen,,so 
gab die wohlwollende Ceres die Speise, indem sie der Erde Frucht
        
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