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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Inseln ju sehen. Die nördlichste derselben, Corcyra, (jetzt Corfu) 
ist das Land der Phäaken, von deren Gastfreundschaft der unsterb 
liche Homer soHerrlicheS fingt; südlicher finden wir Jthaka, die fel 
sige Hei'math des berühmten OdyffcuS, und ganz nahe dabei die gro 
sse und fruchtbare Insel Cephalenia. Auf letzterer blühen selbst im 
Winter Nelken und Rosen, ja die Citronen, Orange» und Grana 
ten tragen ohne Pflege die herrlichsten Früchte im Freien; Corinlhen 
und Oliven sind in Menge vorhanden. Auf der Fahrt von hier 
nach dem Archipelagus stößt man südlich von Lakonien auf die Insel 
Cythera (Cerigo); sie ist zwar dürr und sandig, aber voll von Ha 
sen, Wachteln und Turteltauben, welche letztere der Göttin BenuS 
geweiht waren. Der Archipelagus selbst, diese Inselwelt deS Aegei- 
schen Meeres zwischen Asien und Europa, ist so voll von Merkwür 
digkeiten, dass wir nur Einzelnes zur Betrachtung auswählen kön 
nen. Am Nördlichsten liegt ThasoS, sonst reich an Marmor und 
Gold, etwas südlicher Lcmnvs, wo früher feuerspeiende Berge ge- 
weßbn, und noch jetzt heisse Ouellcn sich finden. Von Böotien nur 
durch dieMeerengp dcsEuripuS getrennt, liegt die langeZnsel Euböa 
mit fruchtbarem Boden und tapfere» Einwohnern. Eine große Zahl 
der Griechischen Eilande liegt unter dem Namen der Cykladen kreis 
förmig zusammen. Hier ist das kleine Delos, mit dm Ruinen sei 
ner prächtigen Tempel bedeckt, und so öde geworden, daß, wo sonst 
opfernde Priester und Schaarcn von Betern sich drängten, jetzt nur 
wilde Kaninchen umhcrschlüpfen; ferner das fruchtbare NaxoS, das 
marmorreiche ParoS und AntiparoS mit einer tiefen, wunderbar 
gebildete» Grotte. An den Küsten Kleinasiens wohntm, wie ich oben 
gesagt habe, ebenfalls Grieche»; so in der Handelsstadt Smyrna, 
so in dem reichen Ephesus mit seinem herrliche» Tempel, fo in Mi- 
letus. Dieser Küste gegenüber lagen im Archipelagus die Inseln 
LcsboS, das Vaterland berühmter Sänger und Sängerinnen, Ckios, 
durch trefflichen Wein und das wohlriechende Harz der Mastixbäume 
ausgezeichnet, und endlich noch Samos. Zuletzt wende sich unser 
Blick auf die südlichste der hellenischen Inseln, auf das von Alters 
her merkwürdige Creta. Der Gipfel seiner Gebirge, der Iba, ist 
gewöhnlich mit Schnee bedeckt, aber unbeschreiblich mild und berrlich 
das Klima in den Thälern und Ebenen. Alle genannten Erzeug 
nisse des Griechische» BodcnS sind hier in der üppigsten Fülle, cs 
wuchert der JohaiiniSbrcdbanm, und an ungeheuren Platane» rankt 
sich freiwillig die traubenreiche Rebe hinauf. Der schon einmal er 
wähnte Sonnini erzählt von der reizenden Insel: Orangen, Man 
deln, Citronen, Granatbäume, die gelbblüheude Aoacie und eine 
Menge anderer Gewächse erquicken durch ihre balsamische» Blüthen 
und Früchte. Myrrhen und Rosenlorbeeren beschatte» die gewun 
denen Ufer der erfrischenden Bäche, die mit duftenden Veilchen, mit 
arabischem Jasmin, mit Colocasicn und Melonen geschmückt sind. 
Alle Bäume sind von Vögeln belebt, unter denen vorzüglich die flö 
tende Stcinamsel, die hiesige GebirgSnachtigall, sich auszeichnet."
        
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