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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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zmthe» in der üppigsten Menge erblühen, da an allen Orten ein 
so unglaublicher Reichthum von Veilchen, daß der Dichter Pindar 
Athen die veilchenbekränzte, glänzende Stadt nannte. Westlich von 
Athen windet sich der Fluß CepbiffuS durch Oliven- und Weingär 
ten, gegen Morgen rieselt der kleine Iliffus am Fuße des Pnrpur- 
bergeS HymettuS. Purpurn erscheint dieser Berg in der Ferne we 
gen seiner gelbrothen Felsen, und zugleich, weil er größtentbeils mit 
purpurn blühendem CrocuS bedeckt ist; außerdem wachsen Thymian, 
Quendel und viele andere wohlriechende Pflanzen hier oben, so daß 
die zahlreichen Bienen der Gegend überflüssigen Stoff haben, um 
den Honig zu bereiten, der unter dem Namen Hymettischer Honig, 
wegen seiner schönen röthlichen Farbe, seiner Klarheit und vor Allem 
wegen seines gewürzreiche» Geschmacks weit und breit berühmt war. 
Allerdings war Attika's Boden eigentlich Felsgrund, mit weniger 
Erde bedeckt, und das Getreide, welches nur auf der Ebene von 
Eleusts mit gutem Erfolge gebaut werden konnte, reichte bei Wei 
tem nicht hin. Doch was man nicht batte, holte man sich. Aus 
Aegypten und Sicilien brachten die Athener so schönes Korn, daß 
ihr feines Brod und ihre treffliche» Kuchen in Griechenland allgemei 
nen Beifall erhielten, und wenn ihre Heimath des Einen crinan- 
gelte, so war sie an Anderem desto reicher. Das wichtigste Erzeng- 
niß des Landes sind noch heute die vielen Olivcnbäume, welche in 
ganzen Wäldern mit ihrem blassen Grün die grauen Felshöhen 
schmücke», und eine große Menge des herrlichsten OelS liefern. In 
alter Zeit wurde daher das Umhauen eines Olivenbaums mit dem 
Tode bestraft. Außer den Oliven gediehen in Attika Feigen, die die 
besten der Erde genannt werden, Mandeln, Weintrauben und alle 
möglichen Südfrüchte; die Wälder bestanden ans Eichen, Pinien 
und Pappeln, aber auch aus Cyprcssen, Lorbeerbäumen und Myr- 
then, und wen» auch das Thierrcich nicht Vielfaches lieferte, so wa 
ren doch die Ziege» gar nutzbar, die zu Tausenden auf den Anhö 
hen umherklcttertcn: man aß ihr Fleisch und trank ihre Milch, man 
machte aus ihren Fellen die vielen Schläuche, deren man im Al 
terthum bedurfte, um Wein, Oel und Honig darin aufzubewahren, 
»ia» fertigte Säcke und Beutel aus ihrem Haar. Was endlich die 
Mineralien anbetrifft, so fand man in Attika Silber, vor Allem 
aber den köstlichen schneeweiße» Marmor, der den Künstlern des 
Landes den Stoff zu ihren Prachtwerken darbot. — So war der 
Boden, der Himmel fast beständig heiter und rein, die Luft gesund 
und erquickend — ist er ein Wunder, daß in dem trefflichen Lande 
auch treffliche Menschen gelebt haben? — 
Oscar von Sydow. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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