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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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der Kasten-Eintheilung, die wir auch hier finden, die Gewerbtrciben« 
dc». Die beide» ersten Kasten aber wurden gebildet durch die 
Priester und die Krieger. Jene hießen Magier, und bei ihnen war 
sowohl die Kenntniß der Religioiislchren als auch jede Wissenschaft 
SU finden, die überhaupt in Perfie» gepflegt wurde. Besonders bc- 
sckäftigten sich diese Weisen mit der Kenntniß der Gestirne und der 
Bedeutung ihrer Stellungen für Menschenleben und Schicksal, also 
mit der Sternkunde und Slerndcutung (der Astronomie.und Astro 
logie). Daß die letztere nichts ist, wissen wir als Christen und auf 
geklärte Leute, sie galt aber damals in der Welt sehr viel; und bei 
de» Persern durften König und Volk, ja auch der einzelne Bürger 
nichts Bedeutendes unternehmen, ohi>e daß zuvor die Magier bei 
de» Sternen angefragt hatten. Drei solche Magier waren es, an 
geweht von einem reineren, göttlichen Geiste, und getrieben durch 
die Kunde von der alten Weissagung auf Christum, die aus dem 
jüdischen Lande auch zu ihnen gekommen war, welche das Christkind 
in Bethlehem anbeteten, nachdem der Stern ihnen seine Geburt an 
gezeigt, und sie zu der Krippe geleitet halte. 
II. 
Kunst-Denkmäler des altrn Persiens giebt e§ im Lande haupt 
sächlich nur an Cineni Orte, dein, wo das alte Persepolis ge 
standen hat. Die übrigen gewaltige» Städte, deren Gebäude aus 
gebrannten Steinen aufgeführt waren, liegen längst in Schutt und 
Trümmern, und auch von Persepolis find freilich nur noch große 
Ruinen da. Cs war dies die alte Todte»-Residenz der persischen 
Könige. Aehnlich den Acgyptische» haben ihre Leichname noch herr 
licher wohne» sollen als sie selbst bei ihrem Lebe». Darum waren 
im eigentlichen Lande der Perser, mehrere Tagereisen östlich von der 
Hauptstadt Susa, herrliche Grabmäler aufgeführt, in Marniorfclsen 
gehauen und nu't Säulen und kostbarem Bildwerke verziert. In 
der Nähe breitete sich die Stadt Persepolis selbst aus, und sie über 
ragte ein ungeheurer, prachtvoller Palast oder Tempel, aus köstlichem 
Marmor erbaut, von einem wahren Walde von Säulen getragen, 
erhaben auf hohen Felsen-Terrassen, zu denen inan auf prächtigen 
breiten Stufen gelangte, die noch heute von staunenden Reisenden 
erstiegen werden tonnen. Vvti dein unermeßlichen Gebäude selbst 
aber steht nur »cd) eine Anzahl Senilen. deren Anblick auf die 
Pracht des Ganzen, wie es ehemals war, schließen läßt. 
„Nichts kann einen größer» Eindruck hervorbringen," sagt ei» 
neuerer Reisender, „als däS Aussehen dieser Ruinen. AnderGrnnd- 
fläche eines Berges mit auf Mager werk ruhend, das an Festigkeit 
>nit de» Aegyptifchrn Pyramiden wetteifert, beherrschen sie eine un 
ermeßliche Ebene, und werden von den Wellen eines Flusses be 
spült, der einst 1000 Wasserleitungen speiste. Aber diese find ver 
stopft, die Ebene ist Morgst oder Wildniß; den» die große Stadt, 
deren Bevölkerung sich eiiist über eine weite Fläche ergoß, ist vor-
        
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