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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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gerichtet ist, und die Bilder der Thiere cder liimütze Steine, die 
vor alten Jahren gcniacht sind." — 
Holz und Steine habe» also die Perser nicht angebetet, noch 
Niere oder Bilder derselben 'und von Menschengestalt, sondern im 
Freien beteten sie zur Sonne und de» Gestirnen, oder in Tenipeln 
zu dein Feuer, welches ihre Opfer verzehrte, und die Unterrichteten 
dachten sich noch dazu unter diesen Bildern den gute» Schöpfer; 
aber irrthümlich immer blieb ihre Religionslehre, die auf keiner gött 
lichen Offenbarung beruhte. 
Als Stifter derselben wird Zoroaster genannt, ein weiser 
Mann, der vielleicht schon vor Cyruö in Medien sein wichtiges Re- 
ligionebuch bekannt machte. Es beißt Cendavesta, das lebendige 
Wort, und entbielt vorzüglich folgende Lehren: Es giebt ein böch- 
stcs unbegreisticheS Urwcsen, von welchem zwei Götter und Regen 
ten der Welt ausgegangen sind, ei» guter und ein böser. Jener 
heißt OrmuS, dieser Abriman; einem jede» dienen siebe» mächtige 
Geister, die einen die Fürsten des Lichts, die andern die der Fin 
sterniß. Unter ihnen stehen wieder, zum Dienst bereit, eine Menge 
von Genien. 
Von OrmuS kommt alles Gute, Licht, Wärme, Fruchtbarkeit; 
vom Ahriman daS Böse und das Uebel in der Welt, Finsterniß, 
Frost, Landplagen. Aber auch alle Geschöpfe der Erde sind i» zwei 
Reiche getheilt, dem OrmuS oder Ahriman Unterthan: jenen, die 
zahmen, nutzbaren Thiere, die nährenden Gewächse :c., diesem die 
reißenden Thiere, die Giftpflanzen und alle» Schädliche in den ver 
schiedenen Reichen der Natur. Was dem OrmuS angehört, ist 
rein; was dem Ahriman angehört, unrein. Zwischen beide» Götter» 
und ihre» Reichen ist fortwährend Kampf. Diesen führen mit die 
guten und bösen Menschen, aber das Reich des Lichtes soll einst 
siegen, und alles Böse und Uebel vernichtet werden. 
Darum enthält das Religionsbuch des Zoroaster strenge Vor 
schriften über den Gottesdienst und ein gerechtes Leben, vorzüglich 
aber auch Aufforderung zum Ackerbau, zur Bearbeitung des Bo 
dens, zur Bezähmung oder Vertilgung der wilde» Thiere, damit 
die Erde und ihre Geschöpfe mehr und mehr dem Reiche des guten 
Geistes einverleibt werden. So gebot ja auch Gott der Herr dem 
Adam zu herrschen über die Erde und die Thiere; aber waS Gott 
gemacht hatte, das war Alles sehr gut. 
Wen» nun ein Perser fleißig war in seiner Feldarbeit und in 
der Viehzucht, wenn er die Regeln deS Gottesdienstes und der 
Rechtschaffenheit befolgte, so konnte er sich als einen wackern Käm- 
pfer betrachten für das Reich des Lichtes, und ein würdiger Loh» 
war ihm' in der Ewigkeit verheißen; dem Trägen aber und dem 
Sünder drohte die Vernichtung als Strafe, die einst über das 
ganze Reich des Ahriman hereinbreche» sollte. 
AuS diesen Religionslehre» folgt, daß der Stand der Acker 
bauer bei den Perser» sehr geachtet war, erst »ach ihnen kamen i»
        
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