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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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so hat der Zug wider die Scythen dem Darius wenig Ruhm ge 
bracht, und ist hernach die Ursache geworden, daß die Astatischen 
Grieche» sich von seiner Herrschaft frei gemacht, die Europäischen 
aber ihm die wenigen Lorbeeren vom Haupte gerissen haben» mit 
denen er sich bekränzt hatte, wie wir bald in der griechische» Ge 
schichte hören werde». Für setzt folge» wir noch ein wenig de», 
Darius in seinen Palast nach Susa, und sehen» wie er von dort 
aiffi sein großes Reich regierte. 
Verfassung des Persischen Reiches. 
Was wir von dem Leben und der Herrlichkeit alk-morgenlän- 
bischer Fürsten bei denen von Babylon gesagt haben, das gilt noch 
in weiterer Ausdehnung von den Persischen. Der König' wohnte 
im Frühling zu Susa, im Sonuner zu Ekbathna, im Winter zu 
Babylon in einem große» prangenden Palasse, dessen ungeheure Aus 
dehnung durch Halten und Sänlengänge kein Maaß zuläßt, welches 
wir auch von den größten heutigen Fürstenschlösser» entnehmen möch 
ten. In demselben Bezirk wohnten mit dein Herrscher alle seine 
erste» Staatsdiener, auch seine Leibwache, die aus 10,000 Mann 
bestand; und alle diese Menschen speisten mit dem Könige, so daß 
DariuS täglich 15,000 Gäste zu Tische hatte. 
Dazu gehörten aber »och nicht seine 360 Frauen, die in einer 
besondern Abtheilung des Palastes, dem Harem, wohnten, und sich 
nie öffentlich durften sehen lassen. Des Königs Macht war unbe 
schränkt, sein Wille galt durchaus als Gebot, doch mußte er sich im 
Allgemeinen nach dem Gesetze der Perser und Meder richten, daS 
hauptsächlich aus religiösen Vorschriften bestehend, in einem besonde 
ren Buche niedergeschrieben war, von dem wir noch weiterly» hören 
wolle». Alte Unterthanen wurden wie Knechte und Sclaven des 
Königs angesehen, er hatte unbestrittenes Recht über all' ihr Gut 
und Lebe»; ja sie waren mit Haut und Haaren sein. Eigenthum, 
denn es hieß im Geseybuche: Wenn ein Mongole de» andern bei 
den Haaren raust, so ist er straffällig, nicht weil er dem andern weh 
gethan, sondern weil dessen Haar dem Könige gehört. Bei so aus 
gedehnte» Rechten in der Regierung mußte der König alles Böse 
recht wirksam verhindern können. Aber er kam und sahe nur nicht 
überall hin, und darum mußte er seine Macht Statthaltern übertra 
gen, die in den entfernten Theilen deö Reiches statt seiner regierten 
und Satrapen hieße». Bo» diesen werden dann viele Grausamkei 
ten und Thaten der Willkühr erzählt, und man kann wohl nicht 
sagen, daß ein Perser bei seiner Rcichsverfassung sich glücklich be 
fand. Es kam meist alles auf Sinn und Gemüth dessen an, dem 
er grade untergeordnet war. Doch übte Darius eine gewisse Be 
aufsichtigung über seine Statthalter. 
Er hatte nämlich sein ganzes Reich in 20 solche Statthalter 
schaften getheilt, und jedem der Kreisvorsieher einen Schreiber bei-
        
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