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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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ge» das Persische Heer. Dann sollte der König schwache» unbrauch 
bare Leute ihm entgegenstellen, die wollte er in die Flucht schlagen 
und aufreiben, und so dreimal; darauf würden ihm gewiß die Feinde 
den Oberbefehl übertragen, und er wollte dann schon dafür sorgen, 
daß die Perser die Stadt erobern sollte». Und es geschah, wie er 
es sich gedacht batte; denn nachdem er als Anführer von Babylo 
niern dreimal schwache Haufen des königliche» Heeres besiegt, wur 
den die Belagerten ihm überaus zugethan u»d folgten ihm in allem, 
so daß er sie und ihre Stadt m die Hände des Darms liefern konnte. 
Er öffnete bei einem allgemeinen Sturme der Perser die Thore von 
Babylon, und die siegenden Schaaren drangen ein, kaum gehindert 
von den verrathene» Vertheidiger» der Stadt. So wurde diese zum 
zweiten Male eingenommen. 
DariuS ließ darauf die Mauer» niederreißen und die Thore 
umstürzen, und dreitausend von den Häuptern der Verschwörung zur 
schrecklichen Strafe an das Kreuz schlagen. Den ZopyruS aber be 
lohnte er königlich, sandte ihm jährlich die herrlichsten Geschenke, und 
überließ ihm Babylon zur Verwaltung ohne alle Abgaben sein Leben 
lang. Oft soll er gesagt haben: er wollte lieber, daß Zoyprus diese 
schmähliche Verstümmelung nicht erlitten hätte, alS noch zwanzig Ba 
bylons besitze». 
Das klingt leidlich zufrieden und genügsam, in Wahrheit aber 
war das DariuS keineSwegeS; denn fein großes Reich war ihm eben 
so wenig groß genug, wie dem KambyseS das seinige gewesen war. 
Da besann er sich, daß einst die nördlich wohnenden Seythen Me 
dien räuberisch durchzogen und eS sogar iune gehabt hätten 28 Jahr; 
dafür wollte er sie jetzt strafen, und durch einen großen Kriegszug 
gegen sie sich ewigen Ruhm erwerben. 
Es hießen aber Scythen damals alle die Völker, welche nörd 
lich vom schwarzen Meere und der Donau wohnten. Das Land 
dort, der nord-östliche Theil der heutigen Europäischen Türkey und 
das südliche Rußland war noch überaus rauh und kalt, daß die Scy 
then selbst sagten, über ihre Nordgrcnze hinaus könne man nicht 
weiter vordringen, uud dort auch gar nicht einmal um sich sehen, 
denn Erde und Lust wäre« da ganz voll umherfliegender Federn, 
die vcrspcrreten die Aussicht. Mit den Federn aber meine» sie den 
Schnee, und Hcrodot glaubt es ihnen, daß dort in einem fort Schnee 
liege und falle. Er sagt auch von dem Lande der Scythen selbst, 
es habe 8 Monate hindurch Winter und nur vier Monate Sommer, 
sei aber übrigens ei» Blachfcld und sehr reich an Gras, und ström 
ten Flüsse durch dasselbe, nicht viel geringer an Zahl als die Gra 
ben in Aegypten, und der Hauptfluß sei der Jster, das ist die Donau. 
Das Volk aber hätte keine Städte sondern wäre ei» wandern 
des; sie schössen zu Pferde mit dem Bogen, lebten nicht vom Acker 
bau sondern von der Viehzucht, führte» ihre Wohnungen auf Wa 
ge» mit sich, das heißt wohl Gezclte oder Thierfelle und Pfahlwerk, 
und von solchen Leuten glaubt man cS denn gern, daß sie unüber 
windlich waren, weil sie nicht zu einem regelmäßigen Treffen könn-
        
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