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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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und zwei Medische Magier, davon der eine Smerdis hieß, warft» 
sich zu Regenten auf, indem der Smerdis sich für den Bruder des 
Kambyfts ausgab. DaS Gerücht davon machte große» Eindruck auf 
des Königs Umgebung, denn sie waren geneigt zu glauben, der, von 
welchem sie hörten, sei wirklich des Kambyfts Bruder, und er be 
theuerte ihnen umsonst mit Schmerz und tiefer Scham, jener sei 
wahrlich lange todt, und sie möchten sich doch nicht von einem Prie 
ster betrüge» lassen. Ihn selbst aber erschütterte die Sache um so 
mehr, weil es ein Smerdis war, der ihm diese Unruhe machte; 
denn von einem Smerdis hatte er geträumt, als er seinen unschul 
digen Bruder ermorden ließ. Da er sich nun aufmachte, die Em 
pörung schnell zu unterdrücken, ging ihm eine andere Prophezeihung 
in Erfüllung, die er in Aegypten empfangen hatte, daß er nämlich 
in Ekbatana sterben würde. Das ist die Hauptstadt vom alte» 
Medien, und er meinte daselbst in gutem Alter zu entschlafe»; aber 
jetzt aus dem Zuge befand er sich in Syrien, und da er eines Mor 
gens nach der Nachtruhe z» Pferde stieg, fuhr ihm sein Dolch aus 
der Scheide, derselbe, mit dem er den Apis erstochen hatte, und 
drang tief in die Lende, so daß er schwer verwundet sich zur näch 
sten Stadt mußte trage» lassen, die hieß auch Ekbatana. Als er 
den Namen hörte, verzieh er sich des Lebens, versammelte die vor 
nehmsten Perser um sich und bat sie inständigst, sie möchten doch 
die Herrschaft nickt wieder an die Meder komnien lassen, sondern 
sie dem tapfern Stamme der Perser erhalten. Wenn sie das thaten, 
sollten sie gesegnet sei» immerdar, wenn sie aber die Obmacht der 
Magier ertrügen, so hinterließe er ihnen seinen Fluch. Damit starb 
er, die Perser aber glaubten ihm immer »och nicht, und meinten, 
der Haß gegen seine» Bruder habe ihm diese letzten Worte einge- 
geben, und' der herrsche wirklich in Susa; dazu wagte auch der 
Mörder, der mit unter ihnen war? seine That jetzt nicht zu beken 
nen. 
Wechsel der Herrschaft in Persien^ 
So kehrte das Persische Heer und seine Führer nach Medien 
zurück, und diese ließen sich die Regierung des falschen Smer- 
d is gefallen sieben Monate lang; da kam der Betrug an den Tag. 
ES war dieser Smerdis, wie gesagt, ein Persischer Priester oder 
Magier, der Bruder dessen, welchem Kambyses während seiner Ab 
wesenheit die Verwaltung seines Hauswesens übertragen hatte. Und 
da er dem Bruder dcS Königs sehr ähnlich war, auch deuftlbcn Na 
me» hatte, wagte er es, vom Innern des Palastes aus das Volk 
durch seine Befehle zu regieren. DaS ging nun um so besser, weil 
seine Verordnungen sehr milde waren, und dem Lande nach dem 
schwere» Joche, welckeS Kambyfts ihm auferlegt hatte, Erleichterung 
brachten und gute Zeit. 
Aber es war doch sehr verdächtig, dafi der neue König sich nie 
mals vor dem Volke sehen ließ, und das hatte auch seinen guten
        
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