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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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talis zu Masaccio, wie könnte ich dich jemals belohnen! — Ihr habt 
mir eine Aussteuer für meine Braut versprochen und Euren Palast 
in Venedig für mich. Vitalis fing an seine Kräfte wieder zu bekom 
men. — Ja gewiß werde ich Deine Braut ausstatten, mein lieber 
Masaccio, ich werde sie reich ausstatten. .Ich will, daß du der 
reichste Bauer deines Dorfes werdest. Wo wohnst du? — In 
Casaletta, im Walde; aber ich werde mein Dorf gern verlassen, um 
mich in Venedig i» dem Palaste niederzulassen, den Ihr mir ver 
sprochen habt. — Nun sind wir aus dem Walde heraus, und ich 
erkenne meinen Weg wieder, ich danke dir Masaccio. — Wann soll 
ich die Aussteuer und den Palast holen komme»? — Wann du willst.— 
Und sie trennten sich. Vitalis ging nach Venedig zurück, und Ma 
saccio nach Casaletta, wo er sein Abenteuer seiner Braut erzählte, 
indem er ihr sagte, daß sie eine schöne Aussteuer haben sollte, und 
er einen schöne» Palast in Venedig. Den andern Tag ganz früh 
ging er nach Venedig, fragte nach dem Palast des Herrn Vitalis, 
ging hinein und sagte, daß er die Mitgift zu holen käme, die ihm 
der edle Herr versprochen, und daß er hierauf mit seiner Braut in 
einer schönen Kutsche wieder kommen und in den Palast einziehen 
würde, den der edle Herr Vitalis ihm gleichfalls zu schenken verhei 
ßen habe. 
Man zeigte dem Vitalis an, daß ein Bauer da wäre, der eine 
Mitgift verlangte und sagte, daß der Palast ihm gehörte. — Jagt 
ihn fort, sagte Vitalis, ich kenne ihn nicht. Die Diener jagten Ma 
saccio fort, der verzweifiungSvoll, ohne daß er zu seiner Braut zu 
gehn wagte, in seine Hütte zurückkam. Da saß in einer Ecke des 
Heerdes der Affe, an der andern der Löwe, und vorne in einen Ring 
gerollt, die Schlange, die drei Gäste des Waldes. Masaccio fürch 
tete sich. Der Mann jagt mich fort, dachte er, der Löwe wird mich 
verschlingen, oder die Schlange mich stechen, und der Affe wird da 
rüber lachen: rette man doch die Leute! Allein der Affe schnitt ihm 
ein freundliches Gesicht, der Löwe wedelte sanft mit dem Schweife, 
und kam ihm die Hand zu lecken wie ein Hund, der seinem Herrn 
liebkosen will; und die Schlange rollte die Ringel ihres Körpers 
auseinander und kroch mit vergnügtem und dankbarem Ansehn in der 
Stube umher, was denn den Masaccio beruhigte. — Arme Thiere! 
sprach er; sie sind mehr werth als der edle Herr Vitalis. Der Un 
dankbare jagt mich weg wie einen Bctllep. Wie gern möchte ich 
ihn in seine Grube zurück werfen! O meine arme Braut! und ich, 
der ich glaubte eine so schöne Hochzeit zu feiern, nicht ein Stück 
Holz habe ich nun in meinem Holzstall, nicht ein Stück Fleisch zur 
Mahlzeit, und kein Geld, um nur meiner Frau eine goldne Nadel 
zu kaufe». Der Undankbare, mit seiner Mitgift und seinem Palast! 
Also weinte Masaccio. Da fing der Affe an zu grunzen, der Löwe 
an den Schweif zu bewegen, die Schlange sich auf- und zuzurol 
len; hierauf sich ihm nähernd, führte ihn der Affe in seinen Holz- 
stall und zeigte ihm einen schönen Vorrath Holz, gut aufgestellt, für
        
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