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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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ter; bald fühlte er ihn schwer werden, und in demselben Augenblicke 
sprang lustig ein Affe auS der Grube; er war hineingefallen wie Vi 
talis und hatte leichtfüßig MafaccioS Ast gefaßt. — Das ist der 
Teufel, schrie der Bauer entfliehend, der Teufel hat mit mir auS 
dieser Grube gesprochen. — Also du verläßt mich, rief Vitalis mit 
kläglichem Tone; mein Freund, mein lieber Freund, in Jesu Christi 
Namen, in deiner Braut Namen, zieh mich hier heraus! Ich bitte 
dich flehentlich! Ich will dich ausstatten, ich will dich bereichern! 
Ich bin der Edelherr Vitalis, ein reicher Venetianer, laß mich nicht 
in dieser schrecklichen Grube Hungers sterben! Masaecio ließ sich 
rühren, und wieder zur Grube zurückkehrend, warf er von Neuem 
den Ast hinein; da zog er einen Löwe» hervor, der ein Freudenge 
heul ausstieß, als er aus der Grube sprang. — O! jetzt war's der 
Teufel, rief Masaecio aus, und floh entsetzt. Indessen blieb er einige 
Schritte davon stehn, da er Vitalis herzzerreißendes Geschrei hörte! 
Mein Gott! mein Gott! rief dieser, soll ich in dieser Grube Hun 
gers sterben! Wird mir denn Niemand zu Hülfe komme»? Wer du 
auch seist, ich flehe dich a», komm zurück, laß mich nicht sterben, da 
du mir helfen kannst; ich will dir ein Haus, ein Feld, Kühe, Geld 
geben, Alles was du willst! Rette mich, rette mich nur! 
Masaecio kam zurück und warf sich auf den Ast, da zog er 
eine Schlange heraus, die fröhlich zischte, als sie aus der Grube 
sprang. Masaecio fiel halb todt vor Angst auf die Knie nieder, 
Gebete murmelnd, die man ihn gelehrt hatte um den Dämon zu 
vertreiben; er kam nur wieder zu sich, als er das Geschrei der Ver 
zweiflung hörte, das Vitalis auSstieß. — Niemand rettet mich! 
Niemand! Also muß ich sterbe»! Ach, inein Gott! Mein Gott! Und 
er weinte; er schluchzte. — Das ist doch da eines Menschen Stimme» 
sprach MasaeeiA— O, wenn du noch da bist, sprach Vitalis, im 
Namen von Allem, was du Theuerstes hast, rette mich, daß ich we 
nigstens zu Hause sterbe und nicht in diesem schrecklichen Grabe. 
Ich kann nicht mehr! meine Stimme ist erschöpft, rette mich! Willst 
du meinen Palast in Venedig, meine Güter, meine Ehren? ich gebe 
sie dir; und möge ich hier sterben, wenn ich mein Wort breche! das 
Leben, nur das Leben! Nette mir das Leben! Masaecio konnte sol 
chen, mit so vielen Verheißungen gemischte» Bitten nicht widerstehen. 
Er warf den Ast von Neuem hinunter. — Habt Ihr ihn endlich? 
sprach er. — Ja, antwortete Vitalis. Uno diesmal zog er den 
Mann heraus. Als er aus der Grube kam, stieß der erschöpfte Vi 
talis einen Schrei der Freude aus und wurde in MasaeeioS Armen 
ohnmächtig. 
Masaecio hielt ihn, stand ihm bei und brachte ihn wieder zu 
sich; hierauf ihm den Arm reichend, sprach er: — Auf, gehn wir 
auS dem Walde hinaus. Vitalis konnte kaum gehen, er war von 
Hunger erschöpft. — Efit dies Stück Brod, sprach Masaecio, und 
er gab ihm ein Stück Brod, das er in seinem Ouersack hatte. 
Mein Wohlthäter, mein Retter, mein heiliger Engel! sagte V>-
        
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