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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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lichen Zorn und schwur, wenn er Memphis eroberte, sollten für 
jeden der Erschlagenen zehn vornehme Aegypter sterben; das ging 
auch bald genug in Erfüllung: denn nach kurzer Zeit wurde die 
«Stadt mit Sturm erobert, und nun gedachte der Perser den un 
glücklichen Psammenit recht tief zu deniüthigcn. 
In einer Vorstadt befand sich der gefangene Köniz mit viele» 
Aegyptern von hohem Stande, und mußten von ihrem Orte aus 
sehen, wie ihre erwachsene» Kinder vorüber geführt wurden, die Jung 
frauen in Sclavcnkleidcrn zu niedrigen Magddiensten, die Jünglinge 
zum Tode; voran aber gingen des Psammenit Tochter und sein ein 
ziger- Sohn. Als die der Vater sahe, weinte er nicht wie die an 
dern Männer um ihn her, sondern blickte nur stumm zur Erde und 
seufzte tief. Da aber bald darauf ein ältlicher Mann von seiner 
Tischgenossenschaft vorüber ging, der jetzt sein Hab' und Gut verlo 
ren hatte und nichts zu essen, und bettelte bei den fremden Solda 
ten um ein Almosen: da weinte der König laut, und rief seinen 
Freund bei Namen und schlug sich an den Kopf. Das hinterbrach 
te» seine Wächter dem Kambyses, der sich über das Betragen des 
Gefangenen wunderte und ihn fragen ließ, warum er den» bei dem 
Unglück feiner Kinder still gewesen, das Elend eines Bettlers aber, 
der ihm gar nicht einmal verwandt wäre, beweint habe. Da soll 
Psammenit geantwortet haben: O Sohn des CyruS, mein häusli 
ches Unglück war zu groß, um darüber zu weine», aber das Elend 
des Fremden war der Thränen werth, der alles sein- Hab' und 
Gut vorlor-n hat, und ein Bettler geworden ist an der Schwelle dcS 
Alters. So erzählt Herodot, ich meine aber, das Betragen des 
Psammenit ließe sich noch anders erklären. Das ist nämlich ein all 
gemeiner Glaube im Alterthum, daß das Schicksal eines Menschen 
auch von seiner Familie getheilt werden müsse, und daß, wenn cs 
ihn um irgend einer Schuld willen trifft, die Seinen mit ihm dafür 
zu büßen haben. Das Unglück seiner Kinder sahe Psammenit als 
etwas freilich unendlich Schweres aber doch ganz Natürliches an, 
daß aber auch sein Tischgcuosse mit ihm leiden müsse, das ging ihm 
über das Maaß hinaus. 
Dem sei indeß, wie ihm wolle, so wurde Kambyses samt den 
Persern, die um ihn waren, und besonders Krösus, der ihn wie ehe 
mals seinen Vater begleitete, von der Antwort des Psammenit tief 
gerührt, und der Perserkönig befahl, de» Sohn des Gefangene» frei 
zugeben ; er war aber leider schon als der Erste hingerichtet worden, 
doch dem Psammenit schenkte Kambyses nun das Leben, und hielt 
ihn nur in anständiger Haft. Es würde ihm auch wohl nichts Ue- 
bles weiter widerfahren sein, ja er hätte vielleicht die Statthalter 
schaft über Ägypten unter Persischer Hoheit bekommen können, denn 
die Perser pflegen der Könige Kinder in Ebren zu halte»; aber er 
suchte von seinem Gefängnisse auS die Ägypter gegen de» Kambyses 
aufzuwiegeln, das ward entdeckt, und so mußte er das Blut eines 
wüthend gemachten Stieres trinke» und starb daran auf der Stelle.
        
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