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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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anziehendsten und interessantesten gehört, die dem Menschen zu 
Theil werden können. Es breitet sich über uns das weite Himmels 
zelt aus, das mit einem unermeßlichen Heere funkelnder Sterne präch. 
tig ausgeschmückt ist. Wohl mag der Anblick dieses Himmelsgewöl 
bes jede», der Sinn hat für etwas Schönes, mächtig anspreche», und 
ganz natürlich muß dadurch das Herz und das Gemüth eines Gefühlvol 
len ergriffen werden. Erwägt man nämlich, daß alle diese Himmels 
körper nach dem Willen eines göttlichen Wesens ihr Dasein haben, 
daß sie alle seit ihrem Entstehen von einer göttlichen Kraft in ihrer 
Bahn erhalten und gelenkt werden, daß für ihre Bewohner — de 
ren sie gewiß nicht entbehren — ein großer göttlicher Geist sorgt 
und wacht; in der That, dann stehen wir verstummt da und bcwun. 
der» Gottes Allmacht, Weisheit und Güte; ei» geheimer Schauer 
überläuft uns, und wir haben die Erklärung zu den begeisterten Wor 
ten des frommen Sängers der Vorzeit gefunden: „Die Himmel 
erzählen die Ehre Gottes, und die Beste verkündiget seiner Hände 
Werk." 
Freilich ist es nicht zu läugnen, daß Tausende von Erdenbewoh 
nern unter dem schön gestirnten nächtlichen Himmel dahin gehen, ohne 
nur im Mindesten auf ihn zu achten oder seiner Reize inne zu wer- 
den. Tausenden ist er so etwas Alltägliches, wie etwa das Essen, 
wenn man hungrig, daö Trinken, wenn man durstig, das Schlafen, 
wenn man. ermüdet ist. Taufende giebt cs, die wohl kaum durch 
eine große Sonnen- oder Mondssnsterniß einmal aus ihrem Dahin» 
starren aufgeregt werden können. Doch alle-solche Menschen lassen 
wir bei Seite; für sie ist weder dieser Aufsatz, noch sonst ein astro 
nomisches Buch geschrieben. Vielmehr wenden wir uns an den den 
kenden, sinnenden Beobachter und Freund des Sternenhimmels. 
ES kann nicht fehle», daß diesem, dem denkenden Laien in der Astro 
nomie, wen» er am stillen Abende bei reiner Atmosphäre und wol 
kenlosem Himmel über und um sich die vielen schimmernden Sterne» 
die am weiten Firmament wie Lichter aufgesteckt sind, erblickt, haupt 
sächlich vier Fragen sich ganz unwillkührlich aufdringen, Fragen, 
die sich namentlich auf die Zahl, Größe, Entfernung und Na 
men dieser Sterne beziehen; und es dürfte vielleicht nicht ganz un 
interessant sein hierüber einiges Wenige zu erörtern. 
Die erste Frage, wie viel es den» eigentlich Sterne geben 
möchte, könnten wir sehr kurz beantworten, wenn wir sprächen: daö 
wissen wir nicht, denn die Sterne sind unzählbar. Da jedoch dieses 
Wort „unzählbar" eine außerordentlich große Summe bezeichnen 
muß, so soll hier wenigstens dem Leser ein schwacher Begriff von 
dieser Summe gegeben werden. Daß 11 Hauptplaneten und (um 
diese wieder) 18 Rebenplaneten oder Monde, so wie einige Hundert- 
tausende von Kommen sich tun unsere Sonne bewegen, ist eine be 
kannte Sache. Dock alle diese genannte» Himmelskörper bilden erst 
ein Sonnensystem oder Sonnengcbiet, und zwar das unsrige. Mit 
Ausnahme der etwa sichtbaren Hauptplaneten — deren Monde au
        
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