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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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denn nachdem er den Fluß überschritten hatte, zog er flch zurück, 
und ließ eine Schaar unbrauchbarer Truppen drüben zugleich mit 
eiiici» herrlichen Borrath an Speise und Getränk. Da kamen die 
Maffagctc» unter Anführung des Sohnes ihrer Königin, überwäl 
tigte» die Nachzügler leicht, machten sich dann a» die Lebcnemittcl, 
und ließen sie sich trefflich schniecke», besonders den Wein, de» sie 
nicht einmal kannten. Als sic nun toll und voll waren von dem 
reichlichen Mahle, da kehrten die Perser zurück, und erschlugen die 
Trunkene» oder nahmen sic gefangen, darunter auch den Sohn der 
Königin. 
Diese nahm sich das sehr zu Herzen und ließ den CyruS sa 
gen: es wäre gar nicht schön ron ihm, daß er ihren Sohn überwun 
den habe durch die schädliche Kraft des freniden Giftes (so nannte 
sie den Wein) und er sollte ihn ihr wiedergeben und in sein Land 
zurückkehren, sonst wolle sie ihn, so unersättlich er wäre, doch endlich 
noch sättigen in Blut. Um diese Worte nun kümmerte sich der 
Perser wenig, und auch darum nicht, daß der Tomyris Sohn sich 
selbst entleibte, sobald man ihm die Fesseln abgenommen hatte; 
seine Mutter aber nahm Rache für ihn am CyruS. Denn sie na- 
hete mir ihrer Hauptmacht, und eine sehr blutige Schlacht wurde 
geschlagen, die verlor der König, die erste und letzte in seinem Leben. 
Er kam nämlich selbst darin um, und hatte über P rsien und Me 
dien regiert 29 Jahre. Tomyris aber soll seinen Leichnam haben 
aufsuchen lassen, und de» Kopf in einen Eimer voll Blut getaucht 
habe», sagend: Schwer hast du mich betrübt, Unersättlicher, da du 
mir meinen Sohn geraubt; aber nun habe ich dich besiegt und lebe, 
und sättige dich mit Blut, wie ich dir versprochen habe. 
Dies war das Ende des große» Eroberers, oder war es ein 
anderes, denn sein Tod wird verschiede» erzählt. Dem alten Hcro- 
dot erscheint diese Ueberlieferung die glaubhafteste, sie wird aber 
dadurch zweifelhaft, daß man in Persien zu Pasargadä daS Grab 
mahl deS CyruS zeigte. Doch kann sein Leichnam losgekauft wor 
den sein, so daß Alexander der Große 200 Jahre hernach nicht ge 
täuscht wurde, als man ihm einen goldne» >L>arg mit den Gebeinen 
des CyruS vorwies. Derselbe stand in einem prächtigen Grabmahle, 
daS in einen Marmorfclsen cingehauen war, und über dem Eingänge 
las man die Inschrift: „Wandrer, ich bin CyruS, des CambyseS 
Sohn; ich habe den Persern die Herrschaft erworben und über 
Asien geherrscht; gönne mir dieses Denkmal." 
A. Merzet. 
Vier Fragen beim Anblick des gestirnten 
Himmels.' 
Wenn wir uns an einem heiteren Abend im Freien best,,den, 
so bietet sich unserm Auge ein Schauspiel dar, das ohnstreitig zu den
        
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