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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Finthen hielten sich die Babylonier an jenen Stellen ober» u»d un 
terhalb für hinlänglich beschützt. An diese Punkte nun stellte CyruS, 
an jedem eine» Theil seines Heeres, und de» ungeordnete» Hause» 
führte er auf- und abwärts vor der Stadt, und ließ wiederum Ka 
näle graben, den Fluß abzuleiten. Und als das Werk beendet war, 
ließ er an einem Tage die Dämme durchstechen, daß das Wasser 
aus dem Euphrat sich plötzlich verlief, und nun konnte» die Perser 
durch das fast trockne Flußbett an beiden Enden der Stadt dringen. 
Die drinnen aber hatten so etwas nicht für möglich gehalten, denn 
sonst hatte» sie die Feinde wie in einer Falle fange» können, wenn 
sie die Thore, die zum Flusse hinabführten verschlossen, und von den 
Mauern Steine auf die Hereingedrungenen geworfen hätten. Aber 
so waren sie darauf nicht vorbereitet, und feierte» grade in der 
Stadt ein wildes, üppiges Fest, als Cyrus seinen Plan ausführte. 
Und so groß war Babylon, daß man in Mitte» derselben noch 
nichts vom Feinde wußte, als er an beide» Enden schon morde« 
»nd Schrecken verbreitete. Der König aber wurde in seinem Palaste 
überrascht mit denen, welche sich zum Feste bei ihm cingesunden hat 
ten; da geschahe eine große Niederlage, und der Beherrscher Baby 
lons verlor mit seiner Stadt zugleich sein Leben. 
So war nun CyruS Herr des ganzen westlichen Asiens, und 
da er wieder in sei» Mutterland gen Osten zog, sicherte er sich die 
Herrschaft in den eroberten Länder» durch zurückgelassene Heere, 
durch Derpflanzung der Einwohner, durch Vorschrift einer Lebensart 
für die Bleibenden, welche gern angenommen, sie verweichlichen sollte 
und mußte, dann aber auch durch Güte; den» er erlaubte ja den 
gefangenen Juden in das gelobte Land zurückzukehren. 
In Medien blieb der Eroberer indeß nun »och nicht ruhig, 
sondern wir sehen ihn bald auf einem »eucn Kriegszuge gegen die 
Massageten, ein Volk au der Nordgrenze seines große» Reiches. 
Vielleicht meinte er sich gegen deren räuberische Einfälle sicher» zu 
müssen, oder er woll'« sie züchtigen, weil sic früher Assyrien erobert 
hatten, oder, wie Herodot sagt, er däuchte sich mehr zu sein als ein 
Mensch, und glaubte, das Glück sei ihm so treu, daß kein Volk ihm 
widerstehen könne. Aber Hochmuth kommt vor dem Fall, und 
grade im Kriege gegen dieses rohe Volk, mußte der mächtige König 
feiner Siege und seines Lebens Ende finden. 
Er hatte es zuerst auf anmuthkgere Weise versuchen wollen, der 
Massageten Land zu bekommen, als durch Krieg: denn daselbst herrschte 
eine Königin Tomyris, die begehrte er zur Gemahlin und damit das 
Reich. Sie aber merkte es wohl, daß es dem Cyrus nicht um ihre 
Liebe zu thun sei, und bot ihm statt ihrer Hand den offenen Kampf. 
Er möge mit gerüstetem Heere in ihr Land komme», oder sie wollte 
in Medien ziehen: so könnten sie eö mit einander ausmachen, wer 
des andern Oberherr sein solle. Und Cyrus ließ sich das nicht 
zweimal sage» , sondern rückte an den Grenzfluß Japartes vor, und 
besiegte da zuerst einen Theil des Maffagetischen Heeres durch List,
        
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