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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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durch einen Streich mit dem scharfen Beile die rechte Hand ab. 
Das Weibchen »ahm »u» das Junge in die andere Hand und fiel, 
da cs sich auf dem Baume mein länger halten konnte, in die Hände 
seiner Verfolger. Das arme Thier gab Zeiche» lebhaften Schmer 
zes von sich, wurde auf das Schiff gebracht und starb bald auf der 
Reise »ach Europa. Das Junge aber, das ohngefäkr 6 Wochen alt 
sein mochte, blieb am Leben. Anfangs war es ganz nackt, und erst 
nach und nach finge» die Haare, welche jetzt de» Körper bedecken, 
an sich zu entwickeln. Die Haare des Rückens kamen zuerst, dann 
die des Bauches und zuletzt die der Füße. Von den Zähnen erhielt 
es die vorderen zu erst, später kamen die Backenzähne, von denen eS 
jetzt auf jeder Seite 3 hat. Es mußte wie ein kleines Kind mit 
Fleischbrühe ernäbrt werden, die man ihm mit einem Löffel i» den 
Mund flößte. Obgleich eS erst sehr schwach und ohne die Munter 
keit war, welche den Affen eigen ist, fing es bald an aufgeweckt und für 
Liebkosungen empfänglich zu werden. Vor alle» andern Menschen 
zeichnete eS de» Capital» a»S, fürchtete sich jedoch überhaupt vor Kei 
nem, gab Jedem die Hand, klammerte sich an den Füße» der Leute 
an, und kletterte ihnen sogar auf die Schulter». Wenn es ungezo 
gen ist, wird es mit Ohrfeigen bestraft oder mit Hieben von einem 
Tau, einer Strafe, die auf Seeschiffen sehr üblich ist. Dann flüch 
tet es sich in einen Winkel, bedeckt das Gesicht mit beiden Händen 
und weint bisweilen. In diesem Falle bringt^ es die Hände an die 
Augen, gleichsam um sie sich auszuwischen Sehr gern spielt es mit 
Kindern und ist mit diesen viel sanfter und zärtlicher, als mir er 
wachsenen Personen. Unter den Thieren sind ihm die Katzen und 
andere Affen durchaus zuwider, dagegen liebt eS besonders die Hunde, 
so daß man ihm einen jungen Hund zur Gesellschaft in seinen Kä 
fig gab. Den» man hat bemerkt, daß das Tbier, sobald es allein 
ist, sich ungeberdig stellt und Alles zerreißt und zertrümmert, was 
ihm in die Hände kommt. So wie cs aber Gesellschaft erhält, ist 
es gefügig, läßt mit sich machen, was man will, läßt sich gern nck« 
ken und auf der Erde herumkugrln. Merkwürdig ist noch, daß das 
Thier sehr langsam und schwerfällig gebt, fast so, als wenn es kreuz 
lahm wäre, dagegen mit ungemeiner Leichtigkeit in die Höhe klettert. 
C. A. R. Schultze. 
Fabeln. 
Der ö t o r ch. 
Ein Bauer hatte auf dem Giebel seiner Scheune ein Wagen 
rad gelegt und unterhielt es sorgfältig, damit die Störche, die sich 
zu ihm gewöhnt hatten, alljährlich ihr Nest auf demselben bauen 
möchten. Auch stand er manches Stündchen mit ineinander geschla- 
üencn Arme» da, und sah mit Wohlgefallen zu, wie die alte»
        
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