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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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wenn auch nur im Spiele. Ost, sagten sie, wären schon ihre Weist 
sagunge» aus Unbedeutendes hinausgelaufen, und leicht werde nichtig, 
was auf Träumen beruhe. Das ließ sich also Astyages gern gesagt 
sein, und sandte de» CyruS zu seinen Eltern nach Hause. Wiewohl 
aber die Sache scheinbar eine so gute Wendung genommen batte, 
konnte er dem Harpagus seinen Ungehorsam nicht verzeihen, und be 
reitete ihm eine grausame, gräßliche Strafe. Er lud ihn zu einem 
festlichen Mahle ein, ließ aber vorher (es ist schrecklich zu erzählen) 
seinen dreizehnjährigen Sohn fangen und schlachten, und dem Bater 
dann das gebratene Fleisch als ein besonderes köstliches Gericht am 
Abend vorsetzen. Als nun der unglückliche Mann sich unwissend an 
seines Sohnes Fleisch gesättigt hatte, wurden ihm das Haupt und 
die Hände des Knaben vorgezeigt, das« er wissen sollte, was er 
gegessen habe, und er erkannte sie wohl, verbiß aber seinen großen 
Schmerz und Grimm, und sagte: was der König thue das sei wohl 
gethan. Von da an aber konnte er seinem Herrn nicht mit aufrich 
tigem Herzen dienen, sondern suchte nur Gelegenheit, sich zu rächen. 
Durch ihn ist hernach CyruS aufgereizt worden, seinen Großvater 
vom Throne zu stoßen, wie wi- hören werden; vorher aber wolle» 
wir hier eine andere Geschichte einschalten. 
Nämlich des CyruS Jugendschicksale werden sehr verschieden er 
zählt, und was ich hier belichtet habe »ach dem alten Herodot, das 
sieht auch sehr wie ei» Mährchen aus. Dagegen schreibt ein ande 
rer weiser Grieche sehr abweichend über den jungen CyruS. Sein 
Vater wäre zwar ein Perser gewesen, und seine Mutter Mandant, 
die Tochter des Astyages; er wäre aber von früh an sorgfältig bei 
seinen Eltern erzogen worden, und der Großvater hätte ihn sehr ge 
liebt und ihm die Krone bestimmt, die er auch zu seiner Zeit auf 
rechtem Wege erhalten habe. Während seiner Knabenjahre habe er 
zuweilen den König am Modischen Hofe besucht, und demselben dort 
durch seine freundlichen Sitten viel Vergnügen gemacht. Solch ein 
Besuch wird uns von jenem Griechen Tenophon ausführlich beschrie 
ben, und ich erzähle hier davon, weil es eine hübsche Geschichte für 
Kinder ist. Allenfalls ließe sich ja auch die Sache mit unsrer er 
sten Erzählung vereinige», da nämlich Cyrus doch vom zwölften Jahre 
an bei seineist Elter» erzogen wurde, Asti-agcS ihn nun nicht mehr 
fürchtete, und ihn also auch wohl einmal air seinem Hofe gern sahe. 
Also der Knabe besucht mit seiner Mutter den Großvater, wird 
mit zu Tische genommen, und der König läßt ihm mancherlei und 
köstliche Speise» vorsetzen, um ihm etwas zu gute zu thun. Aber 
Cyrus war daheim einfacher gewöhnt, die Leckerbissen wollten ihm 
nicht schmecke», und er sprach in kindlicher Weise zum König: Ei, 
Großvater, reit- viel Mühe und Umstände hast du davon, um satt 
z» werden; da kommen wir zu Hause einfacher zum Zweck. Und 
wie denn? fragte Astyages. Wir essen Fleisch und Brodt, da wer 
den wir groß und stark davon, antwortete der Knabe. Nun, sprach 
der Großvater, so magst du es nach deinem Belieben haben. Und
        
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