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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

Berliner 
U iiiSev-LStoch errdlatt 
JW 36. Jahrgang V. 1836. 
Redacteur A. Merzet. Verleger George Eropius. 
n. 
Jugendgeschiä^te deö CyruS. 
Da die Meder, das dritte große Volk der westlichen Asiaten 
im Alterthum, sich frei gemacht hatten von dem großen Assyrischen 
Reiche, war bald darauf^AstyagcS ihr König, von dem wird folgen 
des erzählt: Er fade einst im Traume, wie ein großer Weinstock 
wüchse aus seiner Tochter Mandane Schooß, der überschattete ganz 
Aste». Da legten ihm die Magier den Traum aus und meinten, 
Mandane würde einen Sohn bekommen, der werde noch bei Lebzei 
ten seines Großvaters König werden, dann aber große Eroberungen 
machen. Das Letzte nun wäre dem Astvages wohl ganz recht ge 
wesen, aber das (Erste nicht, daß er sollte entthront werden, denn 
Niemand läßt sich gerne verdrängen von einem weichen Sitze, und 
so dachte er de» Traum unschädlich zu machen, indem er seine Toch 
ter an einen gemeinen Perser, eine» aus dem verachteten, unterwor 
fenen Volke vcrhciratbete; Kinder aus dieser Ehe, meinte er, würden 
so hohe Gedanken nicht fasse». Aber sein Traum beunruhigte ihn 
auf's Neue, als es nabe war, daß Mandane ein Kind zur Welt 
bringen sollte, und die Magier blieben bei ihrer Deutung. So faßte 
er denn den Entschluß, wenn es ein Enkel wäre, der das Licht der 
Welt erblickte, wollte er ihn todten.lassen. 
Cyrus ward geboren, und AstyageS übergab das Knäblein sei 
nem Vertrauten, HarpaguS, der sollte eS ermorden. Der Man» 
aber, vornehm und weichen Gemüths, wollte die Hände nicht selbst 
an das Kind legen, sondern übertrug wieder einem seiner Hirte» die 
grausame That, mit scharfer Verwarnung, daß er den Befehl nicht 
unerfüllt lassen inöchte. Er brauche ja nur den Ncugcbornen 
auf den wüsten Bergen auszusetzen, an deren Fuße er weide, da 
würden eS die reißenden Thiere schon finden, wenn cS nicht ver 
schmachtete. 
Und der Hirt ging heim, traurig wegen des Auftrages, da hatte 
seine Frau auch eben geboren, aber ein todtes Kind. Die überre 
dete ihn, er sollte den königlichen Knaben ihr zum Ernähren geben, 
den vorhandenen Leichnam aber in die köstlichen Kleider hüllen, aus 
setze», und nach drei Tagen dem HarpaguS bringen; der werde dann
        
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