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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Von dem äußeren Anblick des Himmels und von 
der Gestalt der Erde. 
(Bom Herrn Schulrath Dr. Otto Schulz.) 
(Beschluß) 
Das ist ein weiter Weg, werdet Ihr sagen, und keiner von Euch 
getraut sich, solche Reise zu unternehmen. Da thut Ihr recht daran, 
denn ihr sändct Euch niinmer zurecht und müßtet viel Frost und 
Hitze, viel Drangsal und Gefahr überstehen. Ihr kämt an große 
Flüsse, und Niemand schlüge Euch eine Brücke, und wäre auch kein 
Fährmann da, der Euch hinüber brächte; Ihr kämt an große Ge 
birge, deren Spitzen hoch in die Wolke» ragen, und cs führte kein 
Fußsteig hinüber; Ihr kämt a» das große Weltmeer, das man nicht 
mit einem Nachen sonder» nur mit großen Schiffen befahren kann, 
und wenn Ihr auch ei» Schiff fändet, das den Wellen des MccrcS 
trotzen könnte, Ihr wüßtet doch nimmer eS durch Sturm und Wel 
le» zu führen. Das alles aber geschähe Euch nur darum, weil Ihr 
die Wege nicht wißt, und nicht die bequemste Richtung für Eure 
Reise gewählt habt, und weil Ihr der Schifffahrt nicht kundig seid. 
Wen» ein Erdkundiger und ein kühner Seefahrer sich zusammenthun, 
so wissen sie schon damit fertig zu werden. Der Seefahrer setzt sich 
zu Schiffe mit seinen Schiffsleuten und mit den Leuten, welche die 
Reise um die Welt machen wollen, und segelt auf dem unermeßli 
chen Weltmeere innner nach einerlei Richtung, z. B. immer gegen 
Abend. Wenn ein Land in seiner Richtung liegt, nimmt er seinen 
Weg eine Zeit lang links oder rechts, wie es die Lage des Landes 
mit sich bringt; wenn er aber das Land umschifft hat, verfolgt er 
immer wieder die Richtung gegen Abend, und wenn ihm kein Un 
glück zustößt, und wenn er sich nicht auf Inseln im Meer oder in 
den Häfen, wo er einkehrt, zu lange verweilt hat, so läuft er nach 
zwei bis drei Jahren fröhlich in den Hafen ein, von welchem sein 
Schiff zuerst auslief. Das hat schon mehr als ein Seefahrer ver 
sucht, und der .erste, der eö that, war ein Portugiese Ferdinand 
Magcllan oder Fernando MagelhaenS, der im Anfang des 
sechzehnten Jahrhunderts gelebt hat. Dem haben es Viele nachge- 
than, wie Ihr ja auch von Einem in diesem Blatte gelesen habt, und 
sind zum Theil in der entgegengesetzten Richtung gefahren und ha 
ben gefunden, daß man die Erde in allen Richtungen uinschiffen 
könnte, wenn nicht an zwei entgegengesetzten Stellen der Erde un 
geheuere Eisblöcke den Schiffen den Weg versperrten. 
Wen» man die Erde in allen Richtungen umschiffen kann, so 
ist es gewiß, daß sie eine Kugel ist, denn nur auf einer Kugel läßt 
sich nach allen Richtungen ein Kreis ziehen, der zuletzt in sich selber 
zurück kehrt. Gar zu genau aber dürft Jhr's mit der Kugelgestalt 
der Erde nicht nehmen, denn es giebt auf ihr hohe Gebirge, die 
sich viele Meilen in die Lange erstrecken, und deren Spitzen hoch in
        
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