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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

Berliner 
Ntnder-SMortzendlatt 
JW 4. Jahrgang V. 1836. 
Redacteur 3L Merzet. Verleger George Gropius. 
Die Bauwerke der alten Aegypter. 
Schon Herodot und die andern Griechen, welche über Aegyp 
ten geschrieben haben, bewunderten das Alter der Gebäude, die sie 
in jenem Lande sahen. Es ist nun schon über 2000 Jahre her, 
daß jene Männer lebten, und »och immer stehen viele dieser Bau 
werke, ja einige sehen so frisch und unversehrt aus, daß man mei 
nen sollte, sie wäre» erst vor einigen Jahre» vollendet worden. 
Andre, die jetzt in Trümmern daliegen, waren aus Steinen erbaut, 
die, wie man deutlich sehen kann, von weit früheren Bauwerken 
hergenommen waren. So ist cS den» unmöglich, alles das zu er 
forschen, was von den alten Aegypter» gebaut worden ist; auch ist 
die Masse der noch vorhandenen Werke so groß, daß ich mich dar 
aufbeschränken muß, Euch mit den vorzüglichsten bekannt zu machen. 
Eins der wichtigsten Werke, welche Aegyptische Könige haben 
ausführe» lassen, ist der See Möris. Vor viertehalb Tausend 
Jahren lebte nämlich ein König dieses Namens; der ließ in einem 
sumpfigen Thale, das durch eine Bergkette vom Nilthale getrennt 
war, einen See ausgraben, welcher 10 Meilen lang und 6 Meilen 
breit war. Da mußte» Hunderttausende von Menschen Jahre 
lang graben und Erde fortschaffen, eine Arbeit, die in diesem heißen 
.Lande sehr beschwerlich war. Und doch wurde Möris noch ln den 
'spätesten Zeiten als ein Wohlthäter seines Volks gepriesen! Das 
war er auch; denn er hatte den See, der nun nach seinem Namen 
genannt wurde, durch einen Kanal mit dem Nil in Verbindung 
setzen und am Ende des Kanals große Schleusen erbauen lassen. 
Wenn nun einmal die Uebcrschwcmmung des Nils sehr groß war, 
so ließ der König die Schleusen öffnen. Dapn lief da» überflüssige 
Wasser in den See ab, und die Schleusen wurden wieder geschlos 
sen. Sehr oft kam es auch, daß die Ucberschwcmmung des Nils 
nur gering war, und da erfolgte immer in denjenigen Theilen des 
Landes, die von der Ueberschwcmmung nichts abbekamen, Mißwachs 
und Hungersnoth. Diesem Uebel ward nun abgeholfen: man öff 
nete die Schleusen, und das befruchtende Wasser, das im See ge 
sammelt worden war, ergoß sich über die ausgedörrten Felder.
        
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