Path:

Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

276 
Der alte Geschichtsvatcr erzählt uns außerdem Folgendes von 
den Sitten der Perser: 
Bon alte» Tage» feiern sie am höchsten jeder seinen Geburts 
tag. (Wie wir) Da muß ein reichlicheres Mahl als gewöhnlich auf- 
getragen werden. Die Reichen lassen auftragen ganze Ochsen und 
Pferde und Kameele und Esel, im Ofen gebraten, die Armen aber 
tragen kleineres Nieh auf. Gerichte haben sie wenig, aber dem 
Weine sind sie sehr ergebe». (Denn der wächst auch auf felsigem 
Boden) Auch pflegen sie, wenn sie einen kleinen Rausch haben, über 
die wichtigsten Dinge sich zu besprechen, und was sie beschlossen, das 
tragt am andern Tage der Herr des HaufeS, darin sie sich bespro 
chen baden, noch einmal vor. Sind sie auch nüchtern damit zufrie 
den, so thun sie danach; wo nicht, so lassen sie's. So auch was 
sie nüchtern vorher vcrhändelt haben, erwägen sie noch einmal im 
Rausch. (Wie auch unsere deutsche» Voreltern sollen gethan habe») 
Wenn ihrer zwei sich auf der Straße begegnen, so kann man sehen, 
ob sie gleichen Standes sind, daraus: statt des Grußes küssen sie 
einander auf den Mund. Ist der eine ein wenig geringer, so küßt 
er den Vornebmere» auf die Wangen; ist der Eine aber von viel 
niedrigerem Stande, so fällt er zur Erde und betet den anderen 
au. Ein jeder von ihnen heirathet mehrere Frauen. Nächst dem 
Muth im Streite gilt eö für ungemein wacker, wen» einer recht viel 
Kinder erzeugt, und wer die meisten erzeugt, dem sendet der König 
jährlich ei» Geschenk. (Wie bei uns dem siebenten Knaben) Ihre 
Knaben erziehe» sie vom fünften bis zum zwanzigsten Jahre nur in 
drei Dingen: im Reiten, in, Bogenschießen und in der Wahrhaftig 
keit. Vor dem fünften Jahre aber kommt ei» Knabe seinem Baker 
nicht vor die Augen, sondern hält sich bei de» Frauen auf. Und 
das geschieht darum, daß, wen» er in dieser frühen Jugend stirbt, 
der Vater sich nicht um ihn zu grämen braucht. Was sie nicht 
thun dürfen, davon dürfen sie auch nicht sprechen. Für die größte 
Schande aber gilt das Lügen und das Schuldenmache», weil sie 
behaupten: wer Schulde» hat muß auch lügen. In einen Fluß 
speien sie nicht, auch waschen sie sich nicht die Hände darin; so lei 
den sie'S auch von keinem Fremden, den» gegen die Flüsse hegen sie 
die größte Ehrfurcht. 
Bon ihren Todten wird wie ein Geheimniß und ohne Sicher 
heit erzählt, wie eines Persers Leichnam nicht eher begraben werde, 
bevor er nicht von einem Hunde oder Vogel umhergeschleppt worden. 
Doch wie gesagt, das ist nicht gewiß. Ä. Merzet. 
wenn ich nach ihm in diesem Blatte erzähle, ich nichts Besseres zu 
thun weiß, als die Worte seiner Uebersetzung abzuschreiben: denn 
wenn ich auch selbst übertragen wollte, ich könnte es gewiß nicht 
besser, so wenig wie irgend ein Andrer.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.