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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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mit Ausnahme der hohe» Pappel und einer Art Platane, welche sich 
über die Hütten der Bauern erhebe». Wo sic am Rande eines 
Strombettes vielleicht gepflanzt find- um ein wenig Bauholz zu lie 
fern, machen sie doch, indem sie mit ihrem dunkel» Laube die weite 
Ebene punkliren, auf die Seele mehr einen düsteren als freundlichen 
Eindruck. 
Wenn sich daher der Leser eine persische Landschaft vorstelle» 
will, so muß er jedes Bild verbannen, das einer Europäischen Ge 
gend Schönheit und Reiz verleiht. Sei» Auge begrüßen weder 
grüne Ebenen noch begrasete Abhänge, weder sich windende Ströme 
noch rauschende Quellen, weder majestätische Wälder noch Parke und 
Gehege, weder Schlosser und Herrenhäuser, umlaubt von ehrwürdi 
gen Eichen, »och einsame Landsitze, die durch das Laub blicken: kurz 
nichts, das auf Friede, Glück oder auch nur auf Sicherheit deutet. 
Schaut der Reisende von einem Berggipfel, den er mühsam erklom 
men hat, nieder, so wandert sein Auge über eine einförmige, braune 
Fläche, die sich in der Ferne verliert, oder durch Berge begrenzt 
ist, ebenso unfruchtbar und felsig als der, auf welchem er steht. 
Giebt es bebaute Plätze innerhalb des Gesichtskreises, so kann er sie, 
außer im Frühling, von dem übrige» Theile der Fläche kaum un 
terscheiden; und man kann schwerlich sage», daß sie derselben Ab 
wechselung gewähren.— Das ist die Ausstattung des Landes, welche 
der Reisende mehrere Tage hindurch in dem größeren Theile von 
Persien findet. Ausgedehnte Wüsten bringen ohne Zweifel einen ge 
waltigen Eindruck hervor; aber so öde ist daS Land im Allgemeinen, 
daß der Unterschied zwischen jenen und dem Reste dcS Gebietes 
kaum zu bemerken ist. 
In einem solchen Lande wohnte» vor CyruS die alten Perser. 
WaS Wunder, daß sie sich gern zu Eroberungen aufmachten, als 
ihnen Gelegenheit dazu geboten wurde, und daß sie geschickt waren 
zu ihrer Ausführung, da sie an allerlei Entbehrung und Entsagung 
gewöhnt, schon iin Kampfe mit der Natur oder mit reicheren Rach- 
baren Muth und Tapferkeit geübt hatten. Mit Recht warnte ein 
weiser Rathgeber den König Krösus von Lydien vor ihnen, da er 
gegen de» herandrigenden CyruS ausziehen wollte. Mein König, 
sprach er, wider solche Leute rüstest du dich zu streiten, die da le- 
derneHosen tragen und alle Kleider von Leders Sie essen nicht, was 
ihnen beliebt, sonder» was sie haben, denn sie bewohnen ein rauhes 
Land. Keine Feigen haben sie zu essen, »och sonst etwas Gutes. 
Wenn du sie besiegst, was willst du ihnen nehmen, die da nichts 
haben? Wirst du aber besiegt, bedenke, was du für Herrlichkeiten 
vertierst. „Die Perser aber kannten wirklich nickits von den bessern 
Lebcnsgüter», ehe die Lyder bezwungen waren," sitzt Herodst hinzu *). 
*) Hier muß ich, lieben Kinder, in Eurem und meinem Namen einen 
Dank aussprechen gegen den verehrten Mann, Herrn Schulrath 
Friede. Lange, der den altcnHerodot so schön übersetzt hat, daß
        
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