Path:

Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

274 
ncr ergiebigen Quelle gesegnet sind. An den Ufern des Tigris nur 
wird dieser Landstrich fruchtbarer, und war einst durch seinen Pro- 
duktenreichthum berühmt. Sonst ist das Wasser der Flüsse eine 
Wohlthat, womit die Natur in Persien sehr sparsam gewesen ist. 
Von den Mündungen deS Indus bis zu denen des Euphrat kann 
das Land in einer Ausdehnung von mehr als WO Meilen sich kei 
nes Stromes rühmen, der, außer in der Entfernung weniger Mei 
len vom Ocean, schiffbar wäre. Die Ketten von Felsgebirgen im 
Lande entsenden wenig bedeutende Flüsse, die »och dazu im Som 
mer meist austrocknen. 
Dagegen finden sich ausgedehnte Salz - und Sandwüsten, in 
denen nur hie und da bewthubare Plaste als Oase» liegen. Die 
Oberfläche der Salzwüsten ist meist trocken, und bringt einige we 
nige Pflanze» hervor, die solchen Doden lieben; an anderen Stellen 
sicht man nur eine rissige, mit salzigem Auswuchs bedeckte Erdrinde. 
Ein beträchtlicher Theil ist auch morastig, und im Winter sammelt 
sich durch den schmelzenden Schnee und die anschwellenden Gießbä 
che hie und da ein Teich. Das Wasser verdunstet dann in de» hei 
ßen Monaten wieder, und läßt eine Menge Salzklumpen auf einem 
Bette von Schlamm zurück. Wo der Sand vorherrscht, sieht man 
einförmige Ebenen oder wellenförmige Hügel, welche schnell ein Spiel 
der Winde werden, und zuweilen so leicht und locker sind, daß sie 
den Reisenden unter ihrer aufgewühlten Sandmasse begraben. Nichts 
kann einen traurigeren Anblick gewähren als diese Wüsten. Der 
Reisende, der durch sie hinzieht, findet sich auf einer grenzenlosen 
Fläche, die verdorret zu gänzlicher Unfruchtbarkeit, bereift mit bitte 
rem Salze, glänzend und backend in den Strahle» einer sengenden 
Sonne, nur hie und da durch schwarze. Fclsenmassen unterbrochen 
wird, welche in eigenthümlicher Beleuchtung zu tausend abenteuerli 
chen und wechselnden Gestalten sich verzerren. Das Ganze macht 
den Eindruck einer trostlosen Einöde, der nicht beschrieben werden 
kann. 
Auch wer auf dem Meerbusen nach Persien segelt, erblickt cs 
unter einer sehr rntmuthigcnden Gestalt: denn an der ganzen Küste 
weilt sein Auge nur auf unfruchtbaren Inseln und graue», steilen 
Klippen, an deren Fuße ei» flacher sandiger Strich sich hinzieht. 
„— Ocde, Einsamkeit und Hitze, sagt ein andrer Reisender, sind die 
bezeichnenden Merkmale der ganzen Küste des persischen Meerbusens." 
Weiter hinauf im Lande ist wiederum selbst der Anblick der Ge 
birge gewöhnlich im äußersten Grade abschreckend. Sie bieten dem 
Auge nichts dar, als graue, vom Wetter zersplitterte Felsenmassen, 
welche sich oft fast senkrecht von der Ebene erheben. Selbst wo die 
verwitterte» Schickte» für etwas Erde Raum geben, sind die Ab 
hänge größtentheilö weder durch Wald noch durch Gras belebt ; das 
Grün des Frühlings dauert nur zwei kurze Monate, dann wird es 
versengt, und kein Busch bleibt von seinem schnellen aber vorüber 
gehende» Wachsthum zurück. Keine Bäume erheitern die Landschaft
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.