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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Oberfläche. Mit einer Hand schwimmend, hielt die muthige Canti- 
mire mit der andern ihre» unglücklichen Vater, welcher wieder ath 
mete und aus allen Kräften schwamm. Aber ach, vergebliche 
Anstrengung! Unglückliches Geschick! Wchon hatten der Vater 
und die Tochter daS nächste Ufer erreicht, schon hatten sie sich in 
ein Rosenwäldchen geflüchtet, als ein Pfeil CantimirenS linken Arm 
gefährlich verwundete. Aufgehalten von Schmerz, und geschwächt 
durch de» Blutverlust, wurde sie sogleich von de» Häschern ergriffen 
und mit dem ohnmächtigen Vater in den Thurm zurückgeführt 
Noch a» demselben Morgen wurden die unglücklichen Gefangenen 
in einem kleinen Fahrzeuge unter starker Bedeckung nach Bassora 
vor den Statthalter daselbst geführt. Dieser, ein alter gefühlloser 
Krieger, ganz unfähig den Werth einer so edlen That der Kindes 
liebe zu empfinden, liefi beide Gefangene verhören, und schon um 
Mittag erdrosseln. Als man zu Jspaha» das Schicksal der edlen 
Cantimire erfuhr, waren Alle voll Bewunderung über ihren Muth und 
ihre Zärtlichkeit. Zeder nahm Antheil an dem Schieksale der Toch 
ter und deS Vaters. Frauen und Mädchen beweinten fie wie ihre 
Tochter oder Schwester. Abbas Mirza selbst war davon gerührt 
und mißbilligte die Voreiligkeit des Statthalters. Gewiß, rief er 
aus, ich hätte Meliabeth aus Liebe zu Cantimire verziehen. Auf sei 
nen Befehl errichtete man der zärtlichen Tochter eine Bildsäule von 
weißem Marmor, welche sie darstellte, wie sie ihren Vater am Fu 
ße des Thurmes in ihre Arme schloß. Ei» Fest wurde ihr zu Eh 
ren angestellt, und die Persischen Frauen wallfahre» oft zu diesem 
Denkmal, und bestreuen es mit Blumen. 
Don dem äußeren Anblick des Himmels und von 
der Gestalt der Erde. 
(Vom Herrn Schulrath vr. Otto Schulz.) 
Es ist ein wunderbarer Anblick, wenn man im Freien den Him 
mel und die Erde betrachtet. Die Erde erscheint uns da wie eine 
kreisrunde Scheibe, die nach allen Seiten an den blauen Himmel 
anstößt, der Himmel wie ein flaches Gewölbe oder wie die feinere 
Hälfte einer Kugel, die inwendig hohl ist, und deren Rand überall 
auf dem Rande der Erdscheibe ruht. Das Wunderbarste aber ist 
das, daß wir grade in der Mitte der Erdscheibe stehen, und daß der 
höchste Punkt deS Himmelsgewölbes gerade über unserem Scheitel 
liegt. 
Es sieht nicht so gar weit aus von dem Punkte, wo du stehst, 
bis dahin wo Himmel und Erde zusammenstoßen, in etlichen Stun 
den, solltest du meinen, kann man schon bis an den Rand der Erde 
gelangen und in einem halben Tage den ganzen Umkreis der Erde 
umwandern, und kann sich's recht genau besehen, wie der Himmel
        
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