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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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waren ihres Lebens und Gutes nicht sicher. Da meinten sie, die 
Noth käme über sie, weil nun kein Dienst der Landesgottheit mehr 
gepflegt würde, und daran hatte» sie auch ganz recht: den» daß daS 
Land verwüstet worden war, hatte ja seinen Grund in der Un 
treue Israels gegen seinen Gott; die hakte sie in die Hände der 
Feinde geliefert, und die Verwüstung dcS Landes war die na 
türliche Folge dcS Krieges. Und die Assyrische» Ansiedler im Rei 
che Israel wie die verschonten Bewohner wandten sich an den heid 
nischen König, er möchte von den hinweg geführte» Priestern Jeho- 
vah'S einen oder den andern zurücksenden in seine Hcimath, daß er 
einen Gottesdienst wieder einrichten möchte; und es geschah. Aber 
die auch früher nicht treu gewesen waren in ihrer Gottesverehrung 
waren cs jetzt noch weniger, wo Heiden sie umgaben und drängten 
und verlockte»; darum bildete sich von dieser Zeit ei» Gemisch von 
Gottes- und Götzendienst im Lande der zehn Stamme, das später 
Samaria heißt; und wurde diese Weise mit Recht verworfen von 
den Fromme» in Juda, also daß eine Feindschaft daraus entstand 
zwischen Juden und Samaritern, die immer ärger wurde bis zu den 
Zeiten des neuen Testaments, wo die Frau am Brunnen bei Si- 
chem den Heiland fragt: Was forderst du von mir zu trinken? da 
du doch ein Jude bist und ich ein samaritisches Weib. Einen be 
sonderen Grund zu dieser Spaltung werde» wir aber noch im Fol 
genden kennen lernen. 
Ueber IVO Jahre noch bestand nach dem Reiche Israel das von 
Juda, unter schwachen Königen, deren einige wohl den wahren Got 
tesdienst und damit den einigen Muth des' Volkes zu heben suchten, 
andre aber rissen wieder ein, was jene gebaut hatten. Da schlug 
auch für Jerusalem die zuvor verkündigte Stunde des Unterganges. 
DaS große Reich Assyrien in Osten war zerfallen in zwei, deren 
mächtigstes- Babyloi, war, und sein König hieß Nebukadnezar. Dem 
war auf seine» Zügen gegen Aegypten das kleine Volk der Juden 
ein Stein im Wege, und er unterwarf cs sich leicht, wenn er nur 
nahe kam; hatte er aber anders zu thun, so fiel der König wieder 
ab, und wandte sich wohl um Schust nach Aegypten. Darum ge 
dachte Nebukadnezar der Art, wie Salmanassar Israel gebändigt 
hatte, und zog vor Jerusalen und belagerte cs über ein Jahr. Da 
trat großer Mangel ein bei den Bedrängte», und das Volk litt 
Hunger bis zum Verschmachten, daß der König Zedekia und die 
Kriegeleute heimlich ans der Stadt entflohen, und die Bürger, Wei« 
der und Kinder ihrem Schicksale überließe». Aber es ging ihnen 
nicht besser als diesen, denn die Babylonier jagte» dem Könige und 
seinem Heere nach ge» Jericho, zerstreuten die Krieger und tödtetcn 
sie, ihn aber nahmen sie gefangen und führten ihn vor Ncbukadne- 
zar. Der ließ den unglückliche» Zedekia blenden, das Letzte aber, 
waS er mit seinen Augen hatte sehen müsse», war die Hinrichtung 
seiner Kinder, und dann wurde er nach Babylon in den Kerker ge-
	        
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