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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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vergesse», nie werden die zärtlichsten Empsindnngen, die Sie mir 
eingeflößt haben, äus meinem Herzen kommen." 
Diesen Brief legte Cantimire auf den Kamin und giug de» an 
dern Morgen früh, nur mit Brod und etwas Geld versehen, aus 
dein Hanse. Bon ihrem bisherigen Wohnorte bis Baffora waren 
6 — 7 Meilen, und der Weg dabin führte über unebene und müh' 
same Pfade, doch diese Schwierigkeiten überwand sie in 2 Tagen. 
In Baffora ging sie in die Dienste eines Lci»wandfabrikä»tei>, der 
sie bald ihrer Thätigkeit und ibrer Verstandes wegen schätzte. Sie 
entdeckte ihren kühnen Plan, den Vater zu befreien, ihrem Herrn, dev 
sie mit Bewunderung betrachtete, miethe ave mögliche Unterstützung 
zur Ausführung ihres Vorhabens gewährte. „ Der kühnste Mann 
aber hätte bei Beseitigung der Schwierigkeiten den Muth verloren, 
die Cantimire zu überwinde» batte, um nur zu dem Gefängniß- 
thurme zu gelangen. Man mußte einen Theil, des reißenden FhisseS 
durchschwimme», und die mit Bogen bewaffneten Schildwacheiztäu, 
scheu, die Jeden, der cs wagte,"sich dem Thurme zu nähern, nieder 
zuschießen droheten. Aber nichts schien.dein kühnen Mädchen un 
möglich, den Vater zu retten. Sie lernte binnen einigen Monaten 
schwimme» und entbehrte selbst desAchlafes, um sich in dieser Kunst 
zu üben. Nachdem sie endlich die Jluthc» durchschwimmen konnte, 
wagte sie es, sich immermehr dem Orte ihrer Sehnsucht zu nähern. 
(Schluß folgt.) 
. .■ 
Fabeln. 
Der Schwamm. 
„Ich mache es wie du," sagte ein schwamm, der auf dem 
Fensterbrette eines Gartenhauses lag, zu einer Biene, die, mit Ho 
nig und Wachs belade», sich nebe» ibm niedergelassen hatte, um 
auszuruhen. — „Wie so?" frug die Biene. — „Nun, ich nehme, 
wie du, alles begierig in mich auf, und gebe willig es wieder." — 
„Da ist denn doch ein großer Unterschied," antwortete das Bien 
chen, „denn du nimmst alles auf, den Schmutz, wie das reine Was 
ser, und giebst uur, wie du empfingst, Schmutz wie das reine Was 
ser wieder; ich dagegen sauge nur den süßen Saft der Blumen ein, 
und gebe ihn, zum süßer» Honig verarbeitet, wieder." 
Willst du der Biene und nicht dem Schwamme gleichen, so 
nimm nicht alles in dich auf, was du hörst und sichst, und gieb 
auch das, was du aufnahmst, nur dann erst wieder, wenn du es 
mit deinem Geiste durchdacht und bearbeitet hast. — Z.
        
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